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Themenlandkarte

Soziale Langzeitfolgen

Welchen Einfluss hat die Pandemie auf unser Zusammenleben als Individuen, Gruppen und Gesellschaft? Welchen Einfluss hat sie auf unser Wohlbefinden und unsere psychische Gesundheit? Wie unterschiedliche gehen Menschen mit der Situation um?

  • Einsamkeit
  • Depressionen
  • Distanzierteres Leben
  • Mehr Aggression, z.B. Maske als Indikator für sozialadäquates Verhalten

Kommentare : zu Soziale Langzeitfolgen

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1. Kommentarvon :ohne Name 12413

Aufklärungsarbeit leisten hinsichtlich Ausnahmen von der Maskenpflicht

Ich trage aus gesundheitlichen Gründen keine Maske, was durch ein gültiges ärztliches Attest bestätigt wird. Gestern wurde mir zum ersten Mal der weitere Einkauf in einem Supermarkt ohne Maske verweigert. Ich wurde sowohl vom Verkaufspersonal als auch von umstehenden Kunden scharf angegangen mit der Aussage, Menschen wie ich seien verantwortlich

Ich trage aus gesundheitlichen Gründen keine Maske, was durch ein gültiges ärztliches Attest bestätigt wird. Gestern wurde mir zum ersten Mal der weitere Einkauf in einem Supermarkt ohne Maske verweigert. Ich wurde sowohl vom Verkaufspersonal als auch von umstehenden Kunden scharf angegangen mit der Aussage, Menschen wie ich seien verantwortlich für die derzeitige Lage hinsichtlich steigender Infektionszahlen und damit verbundener Einschränkungen. Die zunehmend aggressive Reaktion einiger Geschäftsinhaber und vor allem Kunden macht Menschen wie mir Angst und schließt sie zunehmend vom öffentlichen Leben aus. Da sich die Infektionslage in den nächsten Monaten eher noch verschärfen dürfte, ist hier eine dringende, öffentlichkeitswirksame Aufklärung und Sensibilisierung der Menschen notwendig für die Ausnahmeregelungen von der Maskenpflicht. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, sind keine Maskenverweigerer und ihnen wird das Leben derzeit zunehmend schwer gemacht. Öffentlichkeitswirksame Aufklärungsarbeit zu diesem Thema wurde seitens der Regierung und Behörden und Medien bisher versäumt und ist nun dringend geboten. Im Sinne von Toleranz, Anstand und gegenseitigem Respekt.

2. Kommentarvon :Übermorgen

Kinder und Jugendliche als Einzelkämpfer*innen

Die meisten Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sozial zu lernen und zu handeln sind aufgrund der Verordnungen nicht möglich. Die Vereinzelung schreitet rasant voran: - (Team)Sportangebote und Vereinsarbeit sind nicht oder kaum möglich - gemeinsames Musizieren ist nicht oder kaum möglich - Leben in Gruppen ist nicht oder kaum möglich -

Die meisten Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sozial zu lernen und zu handeln sind aufgrund der Verordnungen nicht möglich.

Die Vereinzelung schreitet rasant voran:

 

- (Team)Sportangebote und Vereinsarbeit sind nicht oder kaum möglich

- gemeinsames Musizieren ist nicht oder kaum möglich

- Leben in Gruppen ist nicht oder kaum möglich

- Freizeiteinrichtungen sind nicht in Betrieb, dadurch bleiben Kinder und Jugendliche in ihren Schichten, mischen sich nicht mehr, bekommen keine Vergleichswerte mehr

- Viele Kinder und Jugendliche halten sich fast nur noch zuhause auf, haben also außerhalb von Schule und Kindergarten kaum noch Kontakt zu Gleichaltrigen

- die „Aufrüstung“ der/des elterlichen Wohnung/ Hauses als eierlegende Wollmilchsau als Homeoffice/Heimschule/Freibad/ Kino/ Sportschule/ Kantine etc. verhindert Begegnungen aktuell. Wer es sich leisten konnte und Platz hat, hat Spielgeräte und Pool in den Garten gestellt, medial ausgebaut usw. Für eine „Nachcoronazeit“, auch wenn diese sehr gern liegt: Werden Menschen mit Pool im Garten noch in öffentliche Bäder gehen? Werden Menschen, die es sich zuhause mittlerweile notgedrungen so komfortabel machen wie Geldbeutel und Platz es hergeben dann noch irgendwo zusammenkommen? Werden öffentliche Angebote künftig nicht mehr von allen gesellschaftlichen Schichten genutzt?

 

Und vor allem: werden Kinder und junge Jugendliche, die man Monate oder länger einzeln oder nur mit Geschwistern aufgezogen hat aus ihrer heimischen Isolation wieder herausfinden oder werden viele noch stärker als auch vor Corona in Medienwelten bleiben? Wird die Generation Corona eine Generation von Einzelgänger*innen?

 

Wie will man dem entgegenwirken? Davon hängt der künftige gesellschaftliche Zusammenhalt und die künftige Belastbarkeit als Solidargemeinschaft ab.

 

3. Kommentarvon :Jochen

Angst ist ein schlechter Ratgeber!

Es wird seit Monaten jetzt die Angst geschürt - und das scheint ja auch die Strategie zu sein... (Strategiepapier des Bundesinnenministerium!) In was für einem Land leben wir? In dem wir unsere Bürger "schockieren" wollen? Schon mal überlegt, dass man mit Zuversicht und Mut viel mehr gewinnt? Auch wenn viele den Satz furchtbar fanden -

Es wird seit Monaten jetzt die Angst geschürt - und das scheint ja auch die Strategie zu sein... (Strategiepapier des Bundesinnenministerium!)

 

In was für einem Land leben wir? In dem wir unsere Bürger "schockieren" wollen?

 

Schon mal überlegt, dass man mit Zuversicht und Mut viel mehr gewinnt?

 

Auch wenn viele den Satz furchtbar fanden - "Wir schaffen das!" - Das vermittelt trotzdem etwas ganz anderes!

4. Kommentarvon :ohne Name 12567

Einsamkeit

Viele ältere Menschen, die normal kommunikativ unterwegs waren, verstecken sich jetzt daheim, weil die Panik vor Ansteckung ihr Leben bestimmt. Sie vereinsamen. Und kaum jemand von uns bekommt es mit.

5. Kommentarvon :ohne Name 12652

Seelischer Aspekt kommt zu kurz

MNS zu tragen kann Stress sowie Panikattacken auslösen. Die allgemeine Verunsicherung, was man gerade noch darf und was nicht, da sich so häufig etwas an den Vorgaben ändert setzt ebenfalls unter Stress. Der soziale Rückzug ist vorprogrammiert. Online Programme und Gruppen ersetzen die persönlichen Treffen in Selbsthilfegruppen nicht. Je länger die

MNS zu tragen kann Stress sowie Panikattacken auslösen. Die allgemeine Verunsicherung, was man gerade noch darf und was nicht, da sich so häufig etwas an den Vorgaben ändert setzt ebenfalls unter Stress. Der soziale Rückzug ist vorprogrammiert. Online Programme und Gruppen ersetzen die persönlichen Treffen in Selbsthilfegruppen nicht. Je länger die Pandemie samt ihren dadurch geforderten Maßnahmen andauert, sehe ich es sehr kritisch und ich habe die Befürchtung, dass die Zahl der Suizide, die glücklicherweise in den letzten Jahren durch Prävention etwas nach unten geschraubt werden konnten, bald wieder ansteigen werden. Zu groß die Unsicherheiten, zu wenig planbares, zu viele Existenzen, die dafür auf dem Spiel stehen. Es werden wohl weniger durch oder an Corona sterben, dafür mehr, die die ganze Auswirkungen nicht mehr mittragen werden können.

6. Kommentarvon :Behindertenbeauftragte Heidelberg

Inklusion am Scheideweg?!?

Es werden immer wieder Forderungen laut, dass Menschen, die durch eine Corona-Infektion besonders gefährdet sind, sich aus dem sozialen Leben zurückziehen sollen, damit die anderen ihr Leben unbeeinträchtigt von Einschränkungen leben können. Das würde bedeuten, dass alle Anstrengungen, die zum Thema Inklusion gemacht wurden, über Bord gekippt

Es werden immer wieder Forderungen laut, dass Menschen, die durch eine Corona-Infektion besonders gefährdet sind, sich aus dem sozialen Leben zurückziehen sollen, damit die anderen ihr Leben unbeeinträchtigt von Einschränkungen leben können. Das würde bedeuten, dass alle Anstrengungen, die zum Thema Inklusion gemacht wurden, über Bord gekippt werden. Inklusion bedeutet, dass alle gleichermaßen teilhaben können, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie einer Behinderung oder chronischen Erkrankung. Es ist interessant, wie aggressiv manche Menschen auf Einschränkungen reagieren, z.B. die Maskenpflicht. Für Menschen mit Behinderungen ist das Alltag: zu schauen, wo komme ich rein, wo kann ich teilhaben, was stellt eine zu große Anstrengung, Gefährdung oder Belastung dar. Wünschenswert wäre, dass die Mehrheitsgesellschaft die aktuelle Situation nutzt, um ihre eigene Haltung zu solchen Themen wie Einschränkungen / Beeinträchtigungen zu reflektieren, damit mehr gegenseitiges Verständnis entsteht.

7. Kommentarvon :LouSa

gravierend

Die soziale Langzeitfolgen werden gravierend sein und wir erahnen noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs: 1. die in sehr großen Zahl _vermehrt_ misshandelten und missbrauchten Kinder (und Frauen) werden ihr gesamtes Leben traumatisiert sein - mit all den bekannten Folgen 2. Die Angst- und Panikmache unserer Politiker hat nicht nur schon zu

Die soziale Langzeitfolgen werden gravierend sein und wir erahnen noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs:

 

1. die in sehr großen Zahl _vermehrt_ misshandelten und missbrauchten Kinder (und Frauen) werden ihr gesamtes Leben traumatisiert sein - mit all den bekannten Folgen

 

2. Die Angst- und Panikmache unserer Politiker hat nicht nur schon zu Suiziden aus Angst vor Corona geführt, sondern auch dazu, dass Menschen vor lauter Angst ihre Wohnungen nicht mehr verlassen haben und unbemerkt verstarben (Berichte Dr. Michael Tsokos, Charité)

 

3. Es gibt inzwischen unendlich viele Kinder, die panische Angst haben, jemandem zu nahe zu kommen - diese Kinder sind schwer traumatisiert. Man weiß, wie Angst körperlich und seelisch nachhaltig wirkt - es wird nur den wenigsten der traumatisierten Kinder gelingen, damit ein gesundes, freies Leben und Beziehungen zu führen und ihre eigenen Kinder irgendwann mal angstfrei zu erziehen.

 

Für Kinder ist ein Jahr eine Ewigkeit. Selbst wenn uns diese un-sozialen Maßnahmen (social distancing ist nicht "artgerecht") nur ein Jahr begleiten sollten, ist dies im Erleben der Kinder ein großer Teil ihrer Lebenszeit. Sie werden das verinnerlichen - auch die Kinder, die Schutz durch ihre Eltern erleben und nicht traumatisiert sind.

 

4. Inklusion ist nicht mehr möglich. Alle, die keine Maske tragen können (Behinderte, Kranke...), werden immer mehr vom Alltagsleben ausgeschlossen. Supermärkte, Einzelhandel, Deutsche Bahn, Schulen, sogar Kirchen verbieten Menschen ohne Masken den Zutritt (auch mit Attest, so z.B. die Diozöse Rottenburg-Stuttgart) oder aber reagieren vermehrt aggressiv, anklagend, anschuldigend bis hin zu körperlich gewalttätig auf diese Menschen.

 

5. Die von der Politik befeuerte Spaltung der Gesellschaft (jede*r Andersdenkende wird gleichgesetzt mit rechtsextrem, Covidiot, unvernünftig, ...) wird sich nicht mehr so leicht aufheben lassen. Die Politik hat hier versäumt, einen offenen Diskurs zu fördern oder auch nur zuzulassen. Es gibt nur noch richtig oder falsch - entsprechend sind wir Bürger (Mitmenschen, Freunde, Familienmitglieder) nur noch richtig oder falsch. Das wieder ins Lot zu bringen ist eine dringliche Aufgabe der Politik mit der jetzt sofort begonnen werden müsste.

 

6. Psychisch labile Menschen leiden immens unter dem verodneten oder aus Angst auch selbstauferlegtem Lockdown und social distancing. Die Zunahme an psychischen Störungen werden von sehr vielen in diesem Bereich tätigen Ärzten, Therapeute etc. benannt.

 

7. Die sozialen Folgen durch die Vernichtung von Existenzen werden ebenfalls nicht bedacht. Das betrifft sowohl die Existenzen, die aktuell durch die Verodnungen bedroht oder bereits vernichtet sind, als auch die Existenzen, die uns noch bevorstehen, wenn der wirtschaftliche Schaden durch die extreme Verschuldung voll durchschlägt.

 

8. eine unendlich große Zahl alten Menschen in Seniorenheimen, die bis März mit Unterstützung noch stabil und gesund waren, sitzen nun im Rollstuhl (da Laufen verlernt), sind schwer krank (da über Monate keine Therapien mehr möglich) u.ä. Das sind vielleicht keine Langzeitfolgen, sondern nur Kurzzeitfolgen (da viele bereits verstorben sind oder nun vorzeitig sterben werden) - aber dennoch dramatisch.

 

9., 10., 11. sind all die Langzeitfolgen, die ich gerade nicht im Blick habe. Ich bin mir aber sicher, dass die Liste noch sehr, sehr lang ist.

 

Meiner Meinung nach sind die Corona-Maßnahmen für die Gesundheit und das Leben von Menschen um ein vielfaches schädlicher und tödlicher, als Covid-19 das in Deutschland je hätte sein können/ sein wird. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Regierungen endlich gegensteuern und sich in diesem Falle die Landesregierung Baden-Württemberg mit den Aussagen und Thesen andersdenkender Wissenschaftle auseinandersetzen, um ihre eigene Angst zu verlieren und wieder normal agieren zu können.

8. Kommentarvon :Ingo Kanngießer

Wünschenswerte Folgen für ...

Fragen an den demokratischen Rechtsstaat ... Wie gehen wir als Gesellschaft mit zukünftigen Epidemien / Pandemien um? Wie wird die Bürger*in informiert? Was wiegt mehr - Datenschutz oder Kontaktverfolgung - und warum? Was wiegt mehr - Grundrechte der Bürger oder Staatsmacht - und warum? Warum werden Veränderungen (in der Gesellschaft) ohne

Fragen an den demokratischen Rechtsstaat ...

Wie gehen wir als Gesellschaft mit zukünftigen Epidemien / Pandemien um?

Wie wird die Bürger*in informiert?

Was wiegt mehr - Datenschutz oder Kontaktverfolgung - und warum?

Was wiegt mehr - Grundrechte der Bürger oder Staatsmacht - und warum?

Warum werden Veränderungen (in der Gesellschaft) ohne unmittelbare Gefahr und Kostendruck nicht angegangen? Müssen wir unsere Demokratie weiterentwickeln? Wie?

Wir klagen jetzt die Schulen / Lehrer an ... spontan keinen digitalen Unterricht anbieten zu können ... sind aber nicht einmal in der Lage ein flächendeckendes Mobilfunknetz (G4) anzubieten. Was macht der Staat eigentlich, wenn keine Lobby / Verband hinter berechtigten Interessen steht? Müssen wir als Saat an diesem Punkt besser hinhören lernen? Wie soll das umgesetzt werden?

Wie kann unser demokratisches System langfristige Ziele planen und dann auch umsetzen (Klimaschutz, Renten, ...), wenn es keine "Instanz" hierfür gibt? Welche Instanz wäre geeignet?

Wie könnte Politik professionalisiert werden ohne dass Beraterfirmen ohne demokratische Legitimation sehr großen Einfluss gewinnen (und Geld verdienen)? Wie kann der Bürgerwille zu speziellen Fragen professionell erfragt werden, ohne auf die Mainstreampresse angewiesen zu sein?

Wie kann Pressefreiheit gewährleistet werden?

Wie kann die Unabhängigkeit der Gerichte gewahrt bleiben?

Was braucht die Polizei und was braucht die Bundeswehr um deren jeweilige (neuen) Aufgaben zu bewältigen?

Wie kann die Selbstverantwortung des Bürgers gesteigert werden, und gleichzeitig das Gemeinwohl im Blick bleiben?

Was ist ein guter Bildungsplan in Schulen? Wie heißen die Bildungsziele in Schulen? Welche Persönlichkeitszüge der erzogenen und erwachsenen Bürger*in wollen wir gerne fördern? Wie?

...

Alles Fragen, für die es bereits Ideen und Verbesserungsvorschläge gibt. Aber unser Parteien-System ist nicht einmal in der Lage eine Bundestagswahlreform auf den Weg zu bringen, die das Wohl der Republik in den Mittelpunkt stellt. Wie nimmt die Politik und die Parteien die übertragene Verantwortung an und wie legt sie Rechenschaft dafür ab. Und welche Konsequenzen werden wann und wie gezogen, wenn die Politik oder die Parteien dieser Verantwortung nicht gerecht werden?

Wenn Kritik an der Politik oder an den Parteien ausgeübt wird - sei es durch Demonstrationen oder über andere Kanäle - wie sensibel und wertschätzend gehen wir mit diesen Informationen bzw. Rückmeldungen um? Jedes Qualitätsmanagementsystem kann da schon ein Fortschritt Richtung Kundenorientierung / Bürgernähe sein. Wäre doch auch eine gute Idee! Die Einführung eines Qualitätssystem zur Verbesserung der Demokratie, Bürgernähe, Nachhaltigkeit, ...

 

 

 

 

9. Kommentarvon :Mafrimu

Denunziantentum

Ich sehe wirklich mit Sorge, dass in diesem Land nun mitunter wieder dazu aufgerufen wird, Verstöße, gegen welche Rechtsordnung auch immer, die ich hier gar nicht in Frage stellen will, zu melden. Man sollte meinen, dass zwischenzeitlich aus der Geschichte gelernt wurde. Sowas hatten wir in Deutschland doch schon mehr als einmal...

10. Kommentarvon :Hillarystep

"Angstschalter umgelegt"

Ich habe Psychologie studiert und naturgemäß betrachte ich das Geschehen um mich herum aus dieser Perspektive. Was mir sehr häufig auffällt, ist das reflexartige Zurückschrecken von Menschen bei Nähe zu einer anderen Person. Ein Beispiel: In einem Laden umrundete ich ein großes Angebotsschild und stand plötzlich etwa einen Meter vor einer jüngeren

Ich habe Psychologie studiert und naturgemäß betrachte ich das Geschehen um mich herum aus dieser Perspektive. Was mir sehr häufig auffällt, ist das reflexartige Zurückschrecken von Menschen bei Nähe zu einer anderen Person. Ein Beispiel: In einem Laden umrundete ich ein großes Angebotsschild und stand plötzlich etwa einen Meter vor einer jüngeren Verkäuferin, die mir entgegenkam (also nicht einmal ein Zusammenprall). Reflexartig drehte sie den Kopf weg und streckte mir beide Hände abwehrend entgegen, noch bevor ich etwas sagen konnte. Das war ein sehr erschreckendes und eindringliches Erlebnis.

Reaktionen dieser Art begegnen mir allerdings seit dem Frühjahr häufig und sie beunruhigen mich sehr.

Wenn jemand Distanz willentlich möchte, ist das die eine Sache. Wenn aber offensichtlich im Inneren ein "Angstschalter" umgelegt wird, also die unwillkürliche (!) Abwehr eines beliebigen Mitmenschen zum Reaktionsmuster wird, weil das Bild der oder des generell "gefährlichen Anderen" verinnerlicht wurde, ist das ein Mechanismus, der dramatische Folgen für die Person selbst hat, aber auch für das Zusammenleben als soziale Gemeinschaft. Denn dieser "Schalter" lässt sich meinst nicht einfach so wieder zurückstellen und kann weitere Ängste, Bedrohungsgefühle oder Depressionen begünstigen oder fördern.

Menschen sind zutiefst soziale Wesen und brauchen Nähe, Zuwendung und Vertrauen in ihre Mitmenschen - zum Busfahrer, dass er mich sicher dahin bringt, wo er soll; zu Mitmenschen im Laden, dass sie einfach auch nur friedlich einkaufen; zur Ärztin, dass sie mich gut behandelt etc. Ist dieses Vertrauen gestört, können wir nicht seelisch gesund leben und körperlich auch nicht.

Eine neue, unbekannte Krankheit, die um die Welt geht und von Politik und Medien aufgegriffen wird, macht naturgemäß sehr viel Angst, ob in der Bevölkerung oder in der Politik. Wichtig ist es meiner Meinung nach nun, diesen "umgelegten Angstschalter" in der Politik zu sehen und die Maßnahmen so zu formulieren und zu kommunizieren, dass ihm entgegengewirkt wird.