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Kabinettsausschuss Ländlicher Raum

Blick von Bürg nach Winnenden und Waiblingen (Bild: © Flickr.com/Schub@ (CC BY-NC-SA))

Ländlicher Raum

Strategie und Umsetzung

Der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum bündelt als ressortübergreifendes Gremium alle für den Ländlichen Raum relevanten Themen. Die Themen und Fragestellungen, die auf dem Land und in den Dörfern gegenwärtig sind, werden kooperativ, konstruktiv und aufgeschlossen in einem Miteinander der Fachressorts angegangen. Im Zentrum steht dabei das Staatsziel der Förderung von gleichwertigen Lebensverhältnissen, Infrastrukturen und Arbeitsbedingungen im gesamten Land. Zur Umsetzung dieses Zieles schlägt der Kabinettsausschuss die erforderlichen Maßnahmen dem Ministerrat vor oder legt diese im Rahmen seines Aufgabenbereiches fest. Hierzu gehören beispielsweise die Vergabe von Modellprojekten, die Entwicklung zukunftweisender Konzepte, das Anstoßen von Bundesratsinitiativen oder das Einsetzen von interministeriellen Arbeitsgruppen auf Arbeitsebene zur Bearbeitung von Einzelthemen.

Die interministeriellen Arbeitsgruppen bilden die Basis der konzeptionellen Arbeit im Rahmen des Kabinettsausschusses. Aufgrund der Relevanz der Themen für den Ländlichen Raum und der entsprechenden Rückmeldungen aus dem Bürgerbeteiligungsprozess wurden bislang folgende vier interministerielle Arbeitsgruppen (IMA) eingerichtet:

  • IMA Pflege und Gesundheit (Federführung Ministerium für Soziales und Integration)
  • IMA Bildung (Federführung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport)
  • IMA Mobilität im Ländlichen Raum (Federführung Ministerium für Verkehr)
  • IMA Wirtschaft im Ländlichen Raum (Federführung Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau - Konstituierung im 2. Halbjahr 2018)

Aus den interministeriellen Arbeitsgruppen konnten bereits konkrete Projektvorschläge an den Kabinettsausschuss Ländlicher Raum mit Empfehlungen zur Förderung durch das Land weitergeleitet werden:

LAND ARZT LEBEN LIEBEN

Das Projekt LAND ARZT LEBEN LIEBEN richtet sich als Veranstaltungsreihe primär an Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und an Studentinnen und Studenten in den höheren klinischen Semestern und soll diesen die Vorteile und Vorzüge des Landarztlebens vermitteln. Es handelt sich um ein gemeinschaftliches Projekt des Hausärzteverbands Baden-Württemberg in Kooperation mit der Akademie Ländlicher Raum sowie dem Gemeindetag, dem Städtetag und dem Landkreistag Baden-Württemberg. Das Projekt bietet dem Ärztenachwuchs wertvolle Erfahrungen und einen unverfälschten Einblick in den Alltag einer modernen Landarztpraxis. Zusammen mit weiteren laufenden Maßnahmen des Landes trägt dieses Projekt dazu bei, die Attraktivität einer Niederlassung als Hausarzt zu steigern und jungen Ärzten einen praxis- und realitätsnahen Einblick zu bieten.

IT-gestützte Flächenversorgung in der Pneumologie

In Baden-Württemberg sind ca. 97 Pneumologen ärztlich tätig, davon 44 ambulant, 53 stationär. Folglich befinden sich die Praxisstandorte oftmals in den Groß- oder Mittelstädten des Landes. Dies führt zu entsprechend langen Wegen für die Patientinnen und Patienten auf dem Land. Mit dem Projekt „IT-gestützte Flächenversorgung in der Pneumologie“ soll durch den Einsatz digitaler Instrumente die Versorgung mit Lungenfachärzten im Land verbessert werden. Das Modellprojekt erstreckt sich in seiner Gebietskulisse auf das gesamte Land. Die Kommunikation zwischen Hausarzt, Facharzt und Patient wird digital unterstützt und Versorgungsprozesse werden bestmöglich abgestimmt. Die begrenzten Kapazitäten der Lungenfachärzte werden bei gleichbleibender Versorgungsqualität optimal genutzt. Ebenso wird die Erreichbarkeit der Versorger für die Patientinnen und Patienten im Ländlichen Raum verbessert. Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten können auch in der Folge einer engmaschigen Betreuung Besuche in den Praxen vermieden werden. Dieses Modellprojekt soll auch Aufschluss darüber geben, ob ähnliche Modelle auch für andere Facharztgruppen geeignet sind.

Genossenschaftliche Modelle zur hausärztlichen Versorgung im Ländlichen Raum

Die Erprobung der hausärztlichen Versorgung im Ländlichen Raum mit „Medizinischen Versorgungszentren in der Rechtsform der Genossenschaft“ ist eines der zentralen Projekte des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum. Dabei wird auf eine Modellkonzeption des Gemeindetags Baden-Württemberg, des Hausärzteverbands Baden-Württemberg und des Genossenschaftsverbands Baden-Württemberg zurückgegriffen. Über genossenschaftliche Modelle medizinischer Versorgungszentren sollen zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden, sowohl dem zunehmenden Wunsch nach Teilzeit- und Angestelltentätigkeiten von Ärztinnen und Ärzten insbesondere im Ländlichen Raum gerecht zu werden, wie auch die wirtschaftlichen Risiken einer Niederlassung zu vermeiden. Nach einer Machbarkeitsanalyse sollen drei Modellvarianten, gemeindebezogen, gemeindeübergreifend innerhalb eines Mittelbereichs und landkreisbezogen bzw. mittelbereichsübergreifend, erprobt werden.

„Stärkung des Ländlichen Raums“ an den Agrarwissenschaftlichen Gymnasien in Baden-Württemberg

Im Rahmen eines Seminarkurses und eines Wettbewerbs zum Thema „Stärkung des Ländlichen Raums“ wird nicht nur die Schulform der Agrarwissenschaftlichen Gymnasien besonders gestärkt, sondern auch der Ländliche Raum als Themenkomplex im Unterricht verankert. Die Schülerinnen und Schüler an den Agrarwissenschaftlichen Gymnasien werden dadurch motiviert, sich intensiv und aus ihrem ganz eigenen Blickwinkel heraus mit dem Ländlichen Raum zu beschäftigen. Die entstehenden Projektarbeiten aus dem Seminarkurs können die Schülerinnen und Schüler in einem Wettbewerb vertiefen und präsentieren.

Sommerschule an den beruflichen Gymnasien im Ländlichen Raum

Um die Attraktivität von beruflichen Gymnasien im Ländlichen Raum zu steigern, werden an sechs Pilotstandorten über drei Jahre Sommerschulen eingerichtet. Sommerschulen sind seit 2010 ein kombiniertes Angebot von "Lernen und Erleben" in rhythmisierter Form, die in der letzten oder vorletzten Sommerferienwoche durchgeführt werden. Bisher wurden an beruflichen Gymnasien im Ländlichen Raum keine Sommerschulen angeboten. Aus Sicht des Kabinettsausschusses eignen sich genau diese Standorte im Ländlichen Raum ideal für die Durchführung von Sommerschulen, da mit dem Übergang in ein berufliches Gymnasium gerade im Ländlichen Raum oftmals auch ein Standortwechsel für die Schülerinnen und Schüler einhergeht. Dieser Übergang in eine neue Schulart kann durch das Angebot der Sommerschule erleichtert werden. Des Weiteren kann die Kooperation zwischen beruflichem Gymnasium, abgebender Schule und den lokalen Unternehmen und Partnern im Ländlichen Raum gestärkt und verbessert werden. Gerade die beruflichen Gymnasien im Ländlichen Raum stehen in einer Konkurrenz zu urbanen Standorten. Durch die Möglichkeiten der Sommerschule hinsichtlich Leistungsförderung, Willkommenskultur und Unternehmenskooperationen kann die Attraktivität der beruflichen Gymnasien auf dem Land gesteigert werden, was zur Standortsicherung beitragen kann. Insbesondere durch die neu entstehenden Kooperationen mit Unternehmen im Rahmen eines Sommerschulangebotes kann mit Blick auf den Fachkräftenachwuchs im Ländlichen Raum auch ein langfristiger Nutzen für die Region vor Ort entstehen. Den Schülerinnen und Schülern können dadurch frühzeitig die Potentiale des Ländlichen Raumes hinsichtlich Berufsorientierung, Unternehmensvielfalt und Innovation aufgezeigt werden.

Erhebung und Auswertung von Mobilitätsprojekten für den Ländlichen Raum

Die ressortübergreifende Erhebung und Auswertung von Mobilitätsprojekten für den Ländlichen Raum zeichnet sich dadurch aus, dass sich sowohl ein zahlenmäßiger als auch ein inhaltlicher und qualitativer Überblick zu den Mobilitätsprojekten des Landes ergibt. Aus den daraus gewonnenen Ergebnissen und Erfahrungen kann abgeleitet werden, welche Konzepte unter welchen Rahmenbedingungen im Sinne einer nachhaltigen und bürgerfreundlichen Mobilitätsgestaltung im Ländlichen Raum bereits gut funktioniert haben und wie diese Impulse verstetigt und in die Fläche getragen werden könnten. In einer Anhörung konnten Verbände ihre Positionen zur Mobilität im Ländlichen Raum einbringen.

Landwirtschaftsministerium: Detaillierte Informationen zu den ausgewerteten Modellprojekten (PDF)

Landwirtschaftsministerium: Stellungnahmen aus der Verbändeanhörung

Ideenschmiede „Mobilität im Ländlichen Raum“

Mit der Idee zur Einrichtung einer „Ideenschmiede Mobilität im Ländlichen Raum“ soll vorbehaltlich der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum ein Expertengremium, besetzt aus unterschiedlichen Erfahrungshintergründen, gebildet werden. Das Forum der Ideenschmiede soll handelnde Akteure aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringen, welche sich ansonsten nicht zum Thema Mobilität im Ländlichen Raum verabreden würden.

Veranstaltungsformate des Kabinettsausschusses

  • Dialogformate zur Bürgerbeteiligung
    Februar bis Juli 2017
  • „Auch bei Pflege daheim leben“
    März/April 2018
  • „Fachtage Jugendbegleiter im Ländlichen Raum - Bildungsnetzwerke gestalten“
    Juni und Oktober 2018
  • „Mobilität im Ländlichen Raum gemeinsam gestalten“
    Juni 2018

Landwirtschaftsministerium: Kabinettsausschuss Ländlicher Raum

Das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart.

Kontakt : Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz