Online-Kommentierung
Mit der Änderung des Schulgesetzes sollen die Sprachfördergruppen ebenso wie die Juniorklassen als Kernelemente des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ etabliert werden.
Weitere Informationen aus dem Vorblatt des Gesetzentwurfs
Sprachfördergruppen sowie Juniorklassen werden als wesentliche Bausteine des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ gesetzlich verankert und die Bedingungen für ihre Einrichtung ebenso wie die entsprechenden Besuchspflichten und ihre Voraussetzungen geregelt. Die Grundschulförderklassen werden aufgehoben, die Möglichkeit der Zurückstellung vom Schulbesuch entfällt für Kinder mit der Verpflichtung, die Juniorklasse zu besuchen.
Der Bildungsgang des allgemein bildenden Gymnasiums der Normalform wird auf neun Jahre verlängert und damit die Möglichkeit für eine Anreicherung mit neuen Innovationselementen geschaffen.
Der Auftrag der auf der Grundschule aufbauenden Schulen wird angepasst, um ihre Attraktivität für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler zu erhalten.
Das Übergangsverfahren von der Grundschule auf die weiterführende Schule wird durch die Einbeziehung der Kompetenzmessung valider und damit passgenauer ausgestaltet. Voraussetzung für die Aufnahme in das allgemein bildende Gymnasium wird künftig eine pädagogische Gesamtwürdigung durch die Klassenkonferenz oder die erfolgreiche Teilnahme an einer zentral bereit gestellten Kompetenzmessung sein. Zusammen mit dem Elternwunsch basiert die Schulartwahl damit auf drei Elementen, von denen zwei erfüllt sein müssen.
Für den Fall, dass keine der genannten Voraussetzungen dem Elternwunsch entspricht, wird die Möglichkeit geschaffen, durch einen Potentialtest zusätzliche Orientierung zu erhalten und zugleich die Aufnahmevoraussetzung für das Gymnasium zu erfüllen.
Pädagogische Fachverfahren sollen über die vorhandene Nutzer- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform SCHULE@BW erreichbar sein.
Die Auskunftspflichtigen, die zu erhebenden Daten und Hilfsmerkmale und der Erhebungsstichtag für die Ganztagsausbaustatistik werden bestimmt und die Ermächtigungsgrundlage für die erforderliche Rechtsverordnung geschaffen.
Keine.
Durch die Implementierung des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ mit den Sprachfördergruppen sowie den Juniorklassen, den neunjährigen Bildungsgang am Gymnasium mit seinen nicht im Schulgesetz verankerten fünf Innovationselementen, den Innovationselementen an Hauptschulen/Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen, die Ausweitung des Ganztags nach Paragraf 4a SchG im Primarbereich der sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die Nutzer- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform SCHULE@BW sowie die Ganztagsausbaustatistik entstehen Kosten für öffentliche Haushalte, die in der Begründung des Änderungsgesetzes unter Punkt 5 der Begründung (Finanzielle Auswirkungen) aufgeschlüsselt sind. Über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln und Stellen für die oben genannten Maßnahmen ist im Rahmen der künftigen Haushaltsplanaufstellungen unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und deren zielgerichteter Steuerung zu entscheiden.
Für Bürgerinnen und Bürger entstehen keine zusätzlichen Bürokratielasten. Der Schulaufsichtsbehörde werden neue schulaufsichtsrechtliche Aufgaben zugewiesen. Vollzugstauglichkeit wird gewährleistet.
Die Änderungen des Schulgesetzes fördern die nachhaltige Entwicklung in mehreren Zielbereichen, insbesondere in den Bereichen der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit.
Der Digitaltauglichkeits-Check nach Nummer 5.4.2 der Verwaltungsvorschrift (VwV) der Landesregierung und der Ministerien zur Erarbeitung von Regelungen (VwV Regelungen) wurde durchgeführt.
Mit den Regelungen wird eine grundsätzliche Möglichkeit der digitalen Umsetzbarkeit der Übermittlung der Daten zur Einschätzung über den Entwicklungsstand beziehungsweise des Sprachförderbedarfes geschaffen.
Die Nutzung der bereits vorhandenen Nutzenden- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform Schule@BW dient der Umsetzung des langfristigen strategischen Leitbilds des Landes zur Digitalisierung von Prozessen.
Die Einführung der Ganztagsausbaustatistik enthält digitalrelevante Vorgaben, die einer zügigen, digitalen und medienbruchfreien Abwicklung des Verfahrens nicht entgegenstehen.
Die Maßnahmen der Schulgesetzänderung, insbesondere die Sprachfördermaß-nahmen und die Verlängerung des gymnasialen Bildungsgangs auf neun Jahre erhöhen die vergleichsrelevanten Kosten im Sinne von Paragraf 18 a Privatschulgesetz (PSchG) und wirken sich entsprechend finanziell auf die Kopfsatzzuschüsse an Ersatzschulen gemäß Paragraf 18 Absatz 2a PSchG aus.
Die Ausweitung des Ganztags im Bereich der SBBZ kann zu höheren Ausgaben bei den SBBZ in freier Trägerschaft führen, da sich die Bezuschussung der Lehrkräfte und Schulleitungen nach den sich für die öffentlichen SBBZ geltenden Bestimmungen richtet.
Die für die Ganztagsausbaustatistik zu erhebenden Daten liegen den freien Trägern regelmäßig vor. Es entsteht allenfalls unerheblicher Aufwand für die Aufbereitung der Daten.


Kommentare
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G9
Meine Tochter fällt leider nicht mehr unter die neue G9-Regelung. Ich fände es toll wenn diese auch auf die älteren Jahrgänge ausgeweitet werden könnte! Von dem was ich aus höheren Jahrgängen höre sind die Aussichten mit G8 nicht so schön. Die Nachbarstochter hat nach der 10ten sogar das Gymnasium gewechselt auf G9 und 1,5 Stunden Fahrt mit Bus und Bahn auf sich genommen, eine befreundete Familie nutzt deswegen ein (kostenpflichtiges) privates Gymnasium.
Des Weiteren sollten keine großen neuen Inhalte dem Lehrplan zugefügt werden, sonst geht das ganze ja am Ziel vorbei die Schüler zu entlasten! Der Lehrplan sollte auf ein Jahr mehr verteilt werden, es muss kein neuer Lehrplan ausgearbeitet werden. Als Vorlage könnte man das der privaten Schulen nehmen, der wäre fertig und praktisch erprobt.
Der eingereichte Antrag der Eltern für G9 wird hier leider nicht beachtet, sehr schade.
Kunst, Musik und Sport stärken
Bildende Kunst und Musik sind die Fächer am Gymnasium, in denen die Schülerinnen und Schüler sich als selbsttätig und kreativ gestaltend erleben können. Sport ist dasjenige Fach, in dem die körperlichen Bedürfnisse, sich zu bewegen und zu lernen dies in konzentrierter Weise zu tun, angesprochen werden, was im übrigen Unterricht notorisch zu kurz kommt.
Die Schüler, insbesondere in der Unterstufe lieben das Fach Bildende Kunst, was zeigt, dass sie sich hier auch mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen sehen, wie in keinem anderen Fach. Zudem wird Kreativität in allen modernen Bildungskonzeptionen als zentrale Kompetenz, die es zu fördern gilt, benannt. Der Kunstunterricht bietet hier mehr Möglichkeiten als jedes andere Fach, diese Kompetenz zu fördern.
Von daher ist es unverständlich, dass gerade in diesem Bereich nun wieder gekürzt werden soll. Die Stundentafel aus G8 soll auf G9 gestreckt werden, der zweistündige Unterricht in Klasse 7 wäre Vergangenheit, das Fach kommt wiederum auf die Streckbank.
Dass es derzeit und schon seit langem zu wenig Lehrernachwuchs in Bildende Kunst gibt, mag hier zusätzlich eine Rolle spielen, aber auch hier handelt es sich um eine Misere, die seit Jahrzehnten absehbar war, aber nicht angegangen wurde. Ein Schulgesetz, in dem die Bildende Kunst weiter beschnitten wird, ist aus meiner Sicht dringend verbesserungsbedürftig.
Verdrängung der Fächer Kunst und Musik
Seit über 40 000 Jahren macht der Mensch Kunst, und nun meint Baden - Württemberg, den Musik- und Kunstunterricht auf eine Alibi-Stundenzahl marginalisieren zu müssen. BK und Musik in den Stufen 7,8,9,10 und 11 nur noch einstündig einzuplanen bedeutet eine Kultur systematisch auszutrocknen. Wie soll in einem Fach, das aus Üben und Tun besteht, mit dieser geringen Stundenzahl ein noch halbwegs befriedigendes Niveau erreicht werden?
Warum werden wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Kunst und Musik sowohl für die Bildung und Entwicklung des Einzelnen, als auch für dessen Lernerfolge in anderen Fächern einfach ignoriert?
Vergessen ist der ganzheitliche humanistische Bildungsbegriff, komplett ignoriert werden die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler, die sich nach einer vielseitigen (auch praktischen) Bildung sehnen.
Kreativität, Thesenbildung, Vorstellung, Erfindung und Realisierung gehen Hand in Hand und werden in einem Wechselspiel von theoretischen und praktischen Zusammenhängen nachhaltig ertragreich. Die Gleichung "wo ich viel Theorie reinstopfe kommt auch viel Theorie raus" geht leider nicht auf, der Schaden an den Heranwachsenden sollte nicht übersehen werden.
Zweite und dritte Fremdsprache - Bitte Einstieg in 7 bzw. 9 und entsprechend angepasste Stundentafel
Fremdsprachen öffnen Welten... man lernt nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Kultur.
Die geplante Stundenverteilung für die zweite Fremdsprache sehe ich sehr kritisch, ebenso den Einstieg in Klasse 6.
Ich unterrichte Englisch, Französisch und Deutsch an einem Gymnasium.
Mit G9 besteht die Möglichkeit, die zweite Fremdsprache in Klasse 7 beginnen zu lassen. Dies halte ich für sehr sinnvoll, da die Schüler dann erst einmal zwei Jahre lang intensiv in Englisch eintauchen können und sich die englischen Strukturen festigen können... übrigens ist ab Klasse 7 dann auch die deutsche Rechtschreibung besser gefestigt.
Mit einem Einstieg in Klasse 7 ist es möglich, in Klasse 7 und 8 (Anfangsunterricht) mehr Stunden für die zweite Fremdsprache zu haben (z.B. Klasse 7: 5 Stunden, Klasse 8: 4 Stunden). Das ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung in den ersten beiden Lernjahren, in denen die wichtigsten Grundlagen gelegt werden. Ich halte dies für absolut wichtig. In unserem Nachbarland Frankreich liegt für die Fremdsprache Deutsch über die Jahre eine ähnliche Stundenverteilung vor, wie die aktuell von oben angedachte (3 Wochenstunden ab Klasse 6). Die "Degradierung" zu einem gefühlten Nebenfach, so wie in Frankreich, ist schlecht. Das fällt uns zumindest bei jedem Austausch auf, wo wir von dem schwachen Sprachniveau der Franzosen immer ein bisschen schockiert sind.
Ähnlich verhält es sich mit den 3. Fremdsprache. Hier würde ich den Beginn auch in Klasse 9 statt 8 legen, dafür aber 4 Wochenstunden einplanen. Die intensive Auseinandersetzung mit der Sprache ist wichtig. Bei 3 Stunden kann man das Pech haben, dass in eine Doppelstunde und eine Einzelstunde aufgeteilt wird. Wenn die Doppelstunde dann noch ungünstig liegt (Feiertage, etc.), dann sieht es ganz schnell ganz mau aus. Außerdem haben die SchülerInnen dann wieder die Möglichkeit, dass sich die zweite Fremdsprache mit ihren Strukturen erst einmal festigt.
Deshalb mein dringender Aufruf: Beginn der 2. Fremdsprache in Klasse 7, der 3. Fremdsprache in Klasse 9.
Einige Beiträge sprechen von der "Nutzlosigkeit" der zweiten / dritten Fremdsprache. Wozu Französisch / Spanisch / Italienisch lernen?
Die zweiten / dritten Fremdsprachen sind im Regelfall andere europäische Sprachen. Europa ist wichtig in der globalisierten Welt und auch ein Zugang zu diesen europäischen Ländern. Einen echten Zugang zu einem Land, dessen Kultur und den Menschen, die dort leben, erhält man nur durch die Kenntnis der Sprache. DeGaulle und Adenauer wussten das. Schade, dass einige das schon wieder vergessen... Und wir lernen im Fremdsprachenunterricht auch nicht nur Sprache, sondern auch viel über die Gesellschaft, Kultur, Geschichte, Politik des jeweiligen Landes. Durch das Erlernen der Fremdsprache werden Brücken geschlagen, in Austauschen lebendig gemacht, Freundschaften entstehen. Das Erlernen einer weiteren Fremdsprache als "nutzlos" zu bezeichnen, halte ich deshalb für sehr fahrlässig.
Berufe- und Studienorientierung fördern
Es ist gut und sinnvoll dieses Thema im neuen Bildungsplan weiter zu fördern. Habe selbst 20 Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich. Meine persönlicher Erfahrung ist, dass an sehr vielen Schulen dazu bereits sehr viele und sehr gute Veranstaltungen geplant, organisiert und durchgeführt wurden. Die Zertifizierung der schulischen Maßnahmen (bspw. Boris-Berufswahlsiegel) und die Kooperation mit außerschulischen Partnern erweist sich insgesamt als gewinnbringend.
Es mangelt leider an Stundenkontingenten für die betreuenden BOGY-Lehrkräfte. Es fehlen hierfür verbindliche Angaben zu Anrechnungsstunden. Auch andere Anreize (Leistungsstufen, A14 Stellen) wären sinnvoll, wenn hier neben dem Fachunterricht noch so viel mehr geleistet wird. Das bislang zweitägige BEST-Seminar zu modularisierten ist eine Möglichkeit, besser wäre es m. E. dieses intensive 2tägige Training, das zusammen mit einem außerschulischen Experten der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt wird, in dieser Form beizubehalten und zukünftig für alle Oberstufenschüler verpflichtend zu machen.
Das Fach WBS, das ja als eigenständiges Fach aus Gemeinschaftskunde "ausgegliedert" wurde und ab Klasse 8 unterrichtet wird, benötigt hierfür gut qualifizierte Fachlehrer.
Es gibt zwar Fortbildungen, aber die werden nicht so sehr nachgefragt. Die Gründe hierfür sind vielfältig.
Biologie
Ich bin sowohl Biologie- als auch Physiklehrkraft. Während ich eine zusätzliche Stunde in Physik natürlich für sich alleingestellt bereichernd finde, kann ich die Gewichtung im neuen Bildungsplan nicht nachvollziehen.
Biologie ist in so vielen Bereichen des Lebens von essenzieller Bedeutung, dass die Reduzierung des Faches auf grundsätzlich eine Unterrichtsstunde die solide Grundbildung in diesem Fach und damit die Basis für die Beurteilung so vieler Zukunftsthemen unserer Schüler stark beeinträchtigt.
In Biologie werden Nachhaltigkeitsthemen von Klimawandel und dessen biologischen Folgen, über Artensterben bis hin zu Nitrat- und Phosphatproblemen etcpp.. vermittelt. Die detaillierte Kenntnis dieser wichtigen Zukunftsthemen ist für das Handeln der nächsten Generationen von wesentlicher Bedeutung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bewertung von Wissen versus Fakenews.
Biologie fördert zudem das Verständnis des eigenen Körpers, der eigenen Gefühle und der Subjektivität des eigenen Denkens und damit auch Selbstakzeptanz und eine mögliche höhere Gesundheit auch noch in späteren Lebensabschnitten sowie auch Toleranz und Akzeptanz von Menschen, die anders sind als man selbst.
Das tiefere Verständnis epigenetischer Konsequenzen des eigenen Verhaltens sowie ein Verständnis der Mikrobioologie in uns könnten wesentlich zu einer gesünderen Lebensweise führen, die uns sogar alle Steuergelder einsparen könnte. Die SuS zeigen sich bei diesen Themen in der KS sehr interessiert - allein Ernährung in der Mittelstufe hat nicht ansatzweise denselben Effekt. Doch zu derlei relevanten Themen haben wir kaum Zeit, oder sie sind erst gar nicht im Bildungsplan vorhanden. Seit dem Bildungsplan 2016* ist die Biologie dennoch so unfassbar vollgestopft mit Themen, dass die wirklich gesellschaftsrelevanten Teile zu schnell abgehandelt werden müssen. Ganz allgemein haben wir eine Stofffülle zu bewältigen, die ich von keinem anderen Fach kenne. Bereits jetzt ist es so, dass wir durch die Einstündigkeit im Vorfeld sowie die nur zwei Jahre andauernde Kursstufe kaum in der Lage sind, den Stoff überhaupt durchzubringen, und gleichzeitig die sonstigen Kompetenzansprüche bzgl. Experimentieren, Bewerten etc. (die ich an sich für sehr wertvoll, aber eben auch zeitintensiv halte) zu erfüllen. Ich hatte mir daher vom neuen Bildungsplan wie angekündigt eine Stärkung der Biologie und damit auch eine Entzerrung dieser extremen Fülle erhofft. Die jetzigen Pläne widersprechen dem jedoch deutlich.
Auch weitere Themen wie die Gentechnik und CRISPR/ Cas9, Stammzellen, Antibiotikaresistenzen, etcpp. sind von größter Relevanz. Nur wer die Methoden etc. kennt, kann Chancen und Risiken faktenbasiert einschätzen und entsprechend wählen und handeln.
Biologie ist so vielfältig gesellschaftsrelevant, dass eine durchgängige Einstündigkeit im starken Gegensatz zur geforderten Bildung in nachhaltiger Entwicklung steht. Selbst „Vollblutbiologen“ verlieren längst die Lust an ihrem Fach, da die Schüler überfordert sind und die Themen nur noch im Schnelldurchlauf besprochen und die geforderten Kompetenzen zu wenig geübt werden können. Die erneute Abwertung - und das auch noch mit der Behauptung des Gegenteils! - deprimiert. Ich hoffe, dass die Biologie nach einer Überarbeitung des Bildungsplanes wirklich gestärkt wird.
Was ich mir zudem wünschen würde, wäre ein sorgfältig durchdachter Bildungsplan, der sich ausnahmsweise mal nicht innerhalb weniger Jahre wieder erübrigt hat - vor drei Jahren mussten wir in der Kursstufe alles neu planen, in der aktuellen KS muss seit einem Jahr wiederum sehr vieles neu gestaltet werden. Nun kommt direkt die nächste sehr große Änderung. Wenn diese nicht hauptsächlich schnell gestrickt wird, sondern wirklich durchdacht ist - gerne! Aber bitte nicht so. Zeit und Geld würden sich an dieser Stelle sehr rentieren.
2. Fremdsprache Französisch
Die 2. Fremdsprache (Französisch) soll in Zukunft in den Klassen 6-10 nur noch 3-stündig unterrichtet werden. Das (Haupt-) Fach Französisch wird dadurch abgewertet, es degradiert zum Nebenfach. Bei einem Doppelstundenmodell sieht man seine Schüler zweimal die Woche alle zwei Wochen an nur einem Tag. Wie soll da eine Sprache erlernt werden?
Das Sprachniveau am Ende der 10. Klasse wird bei weitem nicht mehr das sein können, was derzeit angestrebt wird (B1-Niveau des europäischen Referenzrahmens).
Aber brauchen wir nicht eher eine Stärkung des Französischen angesichts der Tatsache, dass Französisch von 321 Millionen Menschen weltweit gesprochen wird?
68% dieser Menschen leben auf dem afrikanischen Kontinent, dem neuen China, was das Wirtschaftswachstum angeht.
Der Anteil der afrikanischen Bevölkerung wird laut Prognose in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als die weltweite Gesamtbevölkerung.
Französisch als Verkehrssprache/Sprache der Verständigung bietet nicht nur die Chance dort wirtschaftlich Fuß zu fassen, sondern eröffnet auch die Möglichkeit zu Dialogen, die wir angesichts der Klimakrise dringend führen müssen.
G9 Stundentafel verfehlt u.a. für Fremdsprachen ihr Ziel
G9 sollte eine Chance sein für unsere Gymnasiasten und ihnen nicht Chancen nehmen, indem nicht mehr die notwendigen Fremdsprachniveaus erreicht werden, um z.B. ein Studium im Ausland erfolgreich absolvieren zu können.
Doch wenn, wie derzeit geplant, die 2. Fremdsprache von Kl.6-10 nur noch dreistündig unterrichtet würde, käme das nicht nur faktisch einer Stundenkürzung gleich, sondern auch einer nicht nachhaltiges Lernen fördernden Stundentafel. Fremdsprachenlernende Schüler erzielen nachhaltigere Lernerfolge, wenn ihnen vierstündig die neue Sprache vermittelt wird, das haben auch viele Kommentatoren vor mir schon ausführlich dargelegt. Ich spreche mich mit der Mehrheit von ihnen dafür aus, lieber erst in Klasse 7 mit der zweiten Fremdsprache zu beginnen - so in Klasse 6 auch noch mehr andere Fächer zu stärken - und vierstündig von Klasse 7 - 10 zu unterrichten, was auch ganz den Charakter eines Hauptfachs unterstreicht. Mit den dreistündigen Experimenten in den entscheidenden Lernjahren, die die Basis legen, wird zu viel Potential verschenkt, was Druckminderung angeht, wenn - wie zu hoffen ist - das angestrebte Niveau in der Oberstufe gleich erhalten werden soll.
Für die 3. Fremdsprache und insgesamt Profilfächer spreche ich mich aus denselben Gründen ebenfalls für den Erhalt der Vierstündigkeit aus.
Mein letzter Kritikpunkt betrifft das Profil IMP: Ich verstehe nicht, warum ein erfolgreich eingeführtes zweites naturwissenschaftliches Profil wieder gestrichen wird, wobei doch ein vertieftes Lernen für die nicht wenigen Talente im Bereich Informatik/ Mathe nicht nur motivational sinnvoll erscheint, sondern auch angebracht im Blick auf Studien- / Berufsperspektiven. Informatik für alle ist sicherlich wichtig angesichts der veränderten digitalen Anforderungen, doch sollte trotzdem noch zusätzlich das IMP-Profil erhalten werden.
Dass G 9 kommen soll, ist eine gute Chance, doch wir sollten sie richtig nutzen! Es sollten viele Expertinnen und Experten einbezogen werden, dazu gehören sicherlich auch wir Lehrkräfte. Sehr schade ist, dass das Beteiligungsportal zum Schulgesetz im Wesentlichen während der Sommerferien geöffnet war und die Information darüber mich erst nun Mitte September erreicht hat. Die Kommunikationswege und Fristen sollten bitte nochmals durchdacht werden.
Ich bin sehr gespannt, wie unsere Kommentare aufgenommen werden und G9 am Ende umgesetzt wird und hoffe, dass unsere Schülerschaft sich darüber noch flüssig mit den Nachbarn in Frankreich darüber unterhalten kann - auf Französisch!
Überhastet und ohne Planungssicherheit, nur zum Geldsparen
Entschuldigen Sie die offenen Worte, aber warum muss jetzt noch "schnell, schnell" ein neues Gesetz durchgedrückt werden?! Doch wohl nur um den Haushalt zu sanieren.
Es gibt viel Reformbedarf an deutschen und baden-württembergischen Schulen. Die Werkrealschule allerdings ist ein Erfolgsmodell. Wie heisst es so schön "never change a running system". Warum ist den Werkrealschulen kein Übergang zu Gemeinschaftsschulen möglich? Was passiert mit Lehrkräften und Schülern? Oder geht das im Rauschen unter?
Traurig, das Alles.
Zukunftsfach Geographie
Die vielen globalen Problemfelder (Klimawandel, demographischer Wandel, Wasserproblematik, Disparitäten, Fluchtbewegungen, Kriege ...) sollten endlich Anlass sein, das einzige systemische Fach im Fächerkanon, die Geographie, nach der starken Schwächung 2016 (Streichung von Kontingentstunden) wieder in allen Schularten deutlich zu stärken!