Bürgerforum G8/G9

Auswirkungen G8/G9 auf das gesamte Schulsystem

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  • Qualität der Bildung; weitere Herausforderungen
  • Wege zum Abitur / Förderung der Leistungsstarken
  • Durchlässigkeit für Schülerinnen und Schüler (Erhöhung Wechselmöglichkeiten)
  • Übergangsverhalten (Übertritt nach 4. Klasse; späterer Wechsel); Grundschulempfehlung; Aufwertung der Realschulen
  • Wechselwirkungen (Gymnasium, berufliche Gymnasien, andere weiterführende Schularten, Privatschulen etc.)

Kommentare

Sie konnten den Themenbereich bis zum 22. September 2023, 17 Uhr, kommentieren. Vielen Dank für Ihre Kommentare!

101. Kommentar von :ohne Name 62842

Qualität der Bildung

seit G8 bleibt im Unterricht keine Zeit mehr, Themen zu vertiefen. Es ist bei der Einführung von G8 der Eindruck erweckt worden, als ob die Qualität der Bildung durch die Verkürzung der Schulzeit und die daher einhergehende Komprimierung des Unterrichtsstoffs gesteigert werden könnte. Das hat sich überhaupt nicht bestätigt. Es bleibt im Unterricht […]

seit G8 bleibt im Unterricht keine Zeit mehr, Themen zu vertiefen. Es ist bei der Einführung von G8 der Eindruck erweckt worden, als ob die Qualität der Bildung durch die Verkürzung der Schulzeit und die daher einhergehende Komprimierung des Unterrichtsstoffs gesteigert werden könnte. Das hat sich überhaupt nicht bestätigt. Es bleibt im Unterricht keine Zeit, um Dinge zu üben. Der Niveauverlust wird dann dadurch ausgeglichen, dass das niveau gesenkt wird, was die Hochschulen seither massiv unter Druck setzt.

102. Kommentar von :ohne Name 62692

Qualität der Bildung

Ich habe als Lehrkraft in beiden Systemen gearbeitet. Die Qualität der Bildung hat durch das G8 spürbar abgenommen: a) Z.B. durch die zusätzliche Belastung des Nachmittagsunterrichts, der durch die Verkürzung auf G8 notwendig wurde, um einen Teil des wegfallenden Schuljahres zu kompensieren, fehlt den Kindern und Jugendlichen Zeit für Ausgleich. […]

Ich habe als Lehrkraft in beiden Systemen gearbeitet. Die Qualität der Bildung hat durch das G8 spürbar abgenommen:

a) Z.B. durch die zusätzliche Belastung des Nachmittagsunterrichts, der durch die Verkürzung auf G8 notwendig wurde, um einen Teil des wegfallenden Schuljahres zu kompensieren, fehlt den Kindern und Jugendlichen Zeit für Ausgleich. Folgen: Psychische Probleme, ...

b) Früher war es möglich, einen Kursstufenkurs mehrere Wochen ganz konkret auf das Abitur vorzubereiten. Heute sind die Lehrer froh, wenn sie die Inhalte ohne Lücke durchgenommen haben. Verkürzung der Zeit, aber unproportional geringe Abnahme des Lehrstoffs. Verkürzung des Lehrstoffes bedeutet aber auch wieder geringere Qualität der Bildung.

 

Fazit: G8 war eine fatale Fehlentscheidung für die bis dahin international anerkannte deutsche Bildungsqualität, an der meines Wissens bis auf BaWü nur noch das Saarland festgehalten haben.

103. Kommentar von :Karl Marx

G8 - eine von vielen Verschlimmbesserungen durch praxisfernen Aktionismus

Unabhängig von Parteizugehörigkeiten betrachtet, hat die Bildungspolitik in Baden-Württemberg in den letzten beiden Jahrzehnten sehr viel Aktionismus an den Tag gelegt und dabei manche sinnvolle Reformen, aber auch jede Menge Verschlimmbesserungen produziert. Man hat den Eindruck, als werde diese Bildungspolitik getrieben von wechselnden Ängsten […]

Unabhängig von Parteizugehörigkeiten betrachtet, hat die Bildungspolitik in Baden-Württemberg in den letzten beiden Jahrzehnten sehr viel Aktionismus an den Tag gelegt und dabei manche sinnvolle Reformen, aber auch jede Menge Verschlimmbesserungen produziert. Man hat den Eindruck, als werde diese Bildungspolitik getrieben von wechselnden Ängsten und Erwartungserfüllungshudeleien, aber nur selten von klaren Strategien und Konzepten, die langfristig verfolgt würden und transparent kommuniziert würden. Man reagiert auf Zurufe aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft, aus internationalen Vergleichsstudien, aus Bildungsgerechtigkeitsinitiativen, aber am Ende stellt man niemanden zufrieden, weder die Wissenschaft noch die Ökonomie noch die Kämpfenden für soziale Gerechtigkeit. Stattdessen diffundiert das System von Jahr zu Jahr, sind Eltern enttäuscht, Lehrkräfte zermürbt, Schülerinnen und Schüler durchlaufen das Schulsystem weitgehend wie einen Fremdkörper, den man so schnell wie möglich hinter sich lassen möchte. In diese Serie reiht sich auch G8 ein - eine Reform, die hingehudelt wurde bei der Einführung, dann jahrelang durch Herumgschraube und kosmetische Reparaturen zu retten versucht wurde, mit dem Bildungsplan 2016 einen U-Turn erlebt hat, tatsächlich aber zu noch schlimmeren Zerreißproben geführt hat. Die Risse werden größer. Der Bildungsplan 2004 wurde als zu inhaltsschwach kritisiert, 2016 wurde ein inhaltlich völlig überfrachteter Bildungsplan präsentiert, mit zermürbenden und bürokratischen Schulcurricula-Schlachten in der Folge. Aktuell werden mehr oder weniger klandestin Bildungspläne einzelner Fächer überarbeitet. Einen vernetzten Gesamtplan scheint man gar nicht mehr anzustreben. Anhörungsverfahren finden zu teils unmöglichen Bedingungen statt, wenn. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich freuen, dass ihre Leidenszeit durch G8 verkürzt worden ist. Aber eigentlich brauchen sie etwas ganz anderes: Ein Bildungssystem, in dem sie sich zuhause fühlen können - zumindest für die Zeit ihrer Kindheit und Adoleszenz, eine Schulzeit, in der Beziehungen wachsen können, Identifikationen entstehen und vertieft werden, Bildung nicht nur utilitaristisch, sondern auch als in sich selbst wertvoll verstanden wird: Eine Schulzeit, in der Persönlichkeiten reifen können und nicht nur Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt vorproduziert und zugeliefert werden. Humanität bedeutet in ihrem Kern die Freiheit von Instrumentalisierung. Wenn man in unser Bildungssystem hineinhört, dann hört man jedoch zuerst die Rufe der Utilitaristen, die Forderungen nach Instrumentalisierung und unmittelbare Verwertbarkeit. Auf diese Weise hat sich auch die berühmte Steuererklärung einen Platz im Bildungsplan gesichert - aber welch Wunder, die Schülerinnen und Schüler freuen sich über diesen ach so verwertbaren Unterrichtsgegenstand gar nicht, natürlich, die Steuererklärung erledigt natürlich sowieso die K. I. Wir haben Bildung zur Ware gemacht, und es wird uns auch noch gelingen, die Schülerinnen und Schüler zur Ware zu machen. Vielleicht mit G7? Instinktiv spüren viele Schülerinnen und Schüler, dass es in diesem System nicht um sie selbst geht, die Entfremdung schreitet voran. Die Bildungspolitik sollte sich ehrlich machen und eine neue Verlässlichkeit schaffen. G9 wäre ein Anfang.

104. Kommentar von :ohne Name 62881

Qualität der Bildung

G8 geht meiner Erfahrung mit kurzfristigem Auswendiglernen und Abliefern bei den Schülern einher, wobei viele dabei in zweierlei Hinsicht abgehängt werden: Einerseits bleibt bei den Schülern das tiefergehende Verständnis und der von allen Seiten gewünschte „Blick über den Tellerrand hinaus“ aus. Auf der anderen Seite bleibt den Lehrern kaum Zeit […]

G8 geht meiner Erfahrung mit kurzfristigem Auswendiglernen und Abliefern bei den Schülern einher, wobei viele dabei in zweierlei Hinsicht abgehängt werden: Einerseits bleibt bei den Schülern das tiefergehende Verständnis und der von allen Seiten gewünschte „Blick über den Tellerrand hinaus“ aus. Auf der anderen Seite bleibt den Lehrern kaum Zeit motivierende und abwechslungsreiche Methoden im Unterricht anzuwenden, sodass ein eintöniger Unterricht mit dem Bildungsplan und der Zeit im Nacken die Motivation der Schüler (zusätzlich zum Stress) sinken lässt. Somit trägt G8, was die Qualität der Bildung angeht, zu weniger Wissen und Frustration bei Schülern und Lehrern bei.

Da das durch G8 im Vergleich zu G9 „gewonnene“ Jahr meiner Ansicht nach häufig gar nicht als gewinnbringendes Jahr genutzt werden kann, sehe ich wirklich keinen Vorteil. Viele Schüler haben kurz vor ihrem Abschluss noch keine Berufs-, Ausbildungs- oder Studienpläne, sondern brauchen vielmehr eine Auszeit. Dann doch lieber ein Jahr länger Schule und vernünftige Bildung: diese basiert auf wirklichem Verständnis und Schüler hatten Zeit , sich intensiv mit den Themen auseinander zu setzen.

105. Kommentar von :ohne Name 62941

Auswirkungen G8

Abiturient*innen aus dem G8 haben nach meiner Erfahrung als Lehrerin und als Mutter nur Nachteile. Das "gewonnene" Jahr verbringen die meisten mit Reisen, Freiwilligendienst oder Selbstfindung, weil sie keine Zeit hatten sich über ihre Zukunftswünsche klar zu werden. Im Vergleich mit dem G9 über Realschule und berufliches Gymnasium müssen G8 […]

Abiturient*innen aus dem G8 haben nach meiner Erfahrung als Lehrerin und als Mutter nur Nachteile. Das "gewonnene" Jahr verbringen die meisten mit Reisen, Freiwilligendienst oder Selbstfindung, weil sie keine Zeit hatten sich über ihre Zukunftswünsche klar zu werden.

Im Vergleich mit dem G9 über Realschule und berufliches Gymnasium müssen G8 Absolventen für einen guten Abiturschnitt in kürzerer Zeit härter arbeiten. Es findet ein Auszug aus dem allgemeinbildenden Gymnasium statt, der so von der Landesregierung offensichtlich gewollt ist, damit die Gemeinschaftsschulen gestärkt werden.

106. Kommentar von :ohne Name 62959

G9 als Schwächung der Realschule

Ein Realschul-Schulleiter meinte, dass die Gymnasien bzw. die Lehrkräfte ein Problem hätten, wenn G9 wieder eingeführt würde. Sie hätten nicht die passende pädagogische Ausbildung, um mit den dann noch heterogeneren Gruppen umzugehen. Zusätzlich würde die Realschule weniger Schüler:innen erhalten und stände vor dem aus. Also wäre G9 ein großer […]

Ein Realschul-Schulleiter meinte, dass die Gymnasien bzw. die Lehrkräfte ein Problem hätten, wenn G9 wieder eingeführt würde. Sie hätten nicht die passende pädagogische Ausbildung, um mit den dann noch heterogeneren Gruppen umzugehen. Zusätzlich würde die Realschule weniger Schüler:innen erhalten und stände vor dem aus. Also wäre G9 ein großer Schritt in Richtung Gesamtschule.

 

Dies darf meiner Meinung nach nicht so sein. Es geht nicht darum den Akademisierungswahn auf die Spitze zu treiben. Die Gesellschaft wird in ihrem Durchschnitt höchstwahrscheinlich nicht unbedingt intelligenter. Warum sollte der höchste Bildungsabschluss dann von einem größeren Teil der Bevölkerung angestrebt bzw. erreicht werden? Es geht darum, das Abitur nicht noch weiter abzuwerten sondern den Schüler:innen, die auf dem Gymnasium richtig sind, mehr Zeit zu geben sich zu entfalten und zu mündigen Bürgern heranzureifen. Somit muss ein Wechsel zu G9 mit einer klaren (vll. auch klareren) Grundschulempfehlung einhergehen die am Besten auch wieder verpflichtend ist. Eine Real- oder auch eine Hauptschulempfehlung ist kein Stempel fürs Leben. Sie ist eine Bescheinigung, welcher Weg am Ende von Klasse 4 für das Individuum am passendsten ist. Und warum sollte eine solche Entscheidung nicht von einer pädagogisch ausgebildeten, im Schulsystem tätigen, Person getroffen werden?

107. Kommentar von :ohne Name 54137

Wechselwirkungen

G8 bedeutet weniger Bildungsgerechtigkeit: Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien bzw. mit finanziell entsprechendem Background werden auf Privatschulen (z.B. Waldorfschulen) geschickt oder für ein Jahr ins Ausland. Diesen SuS wird somit die Möglichkeit gegeben, die anstrengende Schulzeit in G8 zu entzerren. Jetzt schon gehen in manchen […]

G8 bedeutet weniger Bildungsgerechtigkeit:

Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien bzw. mit finanziell entsprechendem Background werden auf Privatschulen (z.B. Waldorfschulen) geschickt oder für ein Jahr ins Ausland. Diesen SuS wird somit die Möglichkeit gegeben, die anstrengende Schulzeit in G8 zu entzerren. Jetzt schon gehen in manchen G8-Gymnasien in privilegiertem Einzugsgebiet im 10. Jahrgang SuS bis zu Klassenstärke ins Ausland (Internat England, Amerika, Kanada).

SuS aus finanziell weniger gut aufgestellten Familien oder SuS aus Familien, die nicht so gut informiert sind (z.B. mit Migrationshintergrund),steht dieses Angebot nicht offen.

108. Kommentar von :ohne Name 63037

Auswirkungen G8/G9

Die meisten anderen Bundesländer erlauben G9

109. Kommentar von :LPK

Qualität der Bildung; weitere Herausforderungen

Woher nehmen Jugendliche die Zeit, um wichtige Hobbies wie Musik oder Sport oder ehrenamtliches Engagement auszuüben?   Viele junge Leute klagen über hohen Stress und wenig Möglichkeiten zur freien Wahl ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Mit dieser Haltung können sie auch nicht gut innerhalb der Schule und innerhalb des Unterrichts lernen.   Junge […]

Woher nehmen Jugendliche die Zeit, um wichtige Hobbies wie Musik oder Sport oder ehrenamtliches Engagement auszuüben?

 

Viele junge Leute klagen über hohen Stress und wenig Möglichkeiten zur freien Wahl ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Mit dieser Haltung können sie auch nicht gut innerhalb der Schule und innerhalb des Unterrichts lernen.

 

Junge Leute brauchen mehr Zeit, um wichtige Fähigkeiten "soft skills" in AGs, im Verein, in den Musikschulen, in den Kirchen oder anderswo einüben und entwickeln zu können!

 

Hierfür sollte auch die Meinung des Philologenverbands gehört werden, der die Lehrer an den Gymnasien vertritt.

110. Kommentar von :ohne Name 63013

G9 als Vertiefung des Bisherigen, nicht als Hinauszögern der 8 Jahre

9 Jahre am Gymnasium sind meines Erachtens unabdingbar, um auch nur wieder annähernd ein gymnasiales Niveau an den Gymnasien zu erreichen. Die momentane Situation ist nicht mehr tragbar, FünftklässlerInnen können die einfachsten Sätze nicht mehr schreiben (Und nein, Corona kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden! Wenn ein Kind in der 4. […]

9 Jahre am Gymnasium sind meines Erachtens unabdingbar, um auch nur wieder annähernd ein gymnasiales Niveau an den Gymnasien zu erreichen. Die momentane Situation ist nicht mehr tragbar, FünftklässlerInnen können die einfachsten Sätze nicht mehr schreiben (Und nein, Corona kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden! Wenn ein Kind in der 4. Klasse ist und es zum Lockdown kommt, sollte es bereits in der Lage sein, bestimmte Wörter (z.B. "der Mann" vs. "man"; "harre" vs. "Haare"; "Trienken" vs. "trinken") schreiben zu können.), geschweige denn beherrschen sie die Grundrechenarten. Es ist schlichtweg nicht möglich, in den ersten Jahren am Gymnasium die Basics der Grundschule aufzuholen.

Dieser Niveauabfall zieht sich leider bis in die Kursstufe. Schaue ich heute mit den SchülerInnen der Kursstufe frühere Abiaufgaben des 9-jährigen Abiturs an (bei gleichgebliebenen Themen), ist der Großteil der SchülerInnen schlicht überfordert und wäre nicht in der Lage, auch nur eine Aufgabe korrekt zu beantworten.

Auch stellt sich mir die Frage: Wo führt das hin, wenn die Mehrheit eines Jahrgangs einen Einserschnitt beim Abitur hat? Zu einem Beibehalten der ursprünglichen Qualität an Universitäten jedenfalls nicht... Auch in den verschiedensten Studiengängen an den Universitäten werden anspruchsvolle Studieninhalte gestrichen, bzw. müssen diese nicht mehr abgeprüft werden, um nicht alle Studierenden "aussortieren" zu müssen. Welchen Wert haben denn heutzutage ein Abitur und ein Universitätsabschluss noch??