Unter dem Vorsitz der baden-württembergischen Sportministerin Theresa Schopper haben die Sportministerinnen und Sportminister sowie die Sportsenatorinnen und der Sportsenator der Länder gemeinsam mit der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei der 53. Sportministerkonferenz (SMK) auf Norderney getagt.
Im Mittelpunkt der Beratungen am 19. März 2026 standen das geplante Zentrum für Safe Sport, die Förderung von Bewegung bei Kindern und Jugendlichen, das Sportfördergesetz des Bundes, die Zukunft der Nordischen Kombination, steuerliche Fragen für Sportvereine sowie Sportgroßveranstaltungen.
Die Statements
Gastgeberin Daniela Behrens, Sportministerin Niedersachsen: „Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die intensiven Beratungen und eine rundum gelungene Sportministerkonferenz hier auf Norderney. Ein Dreivierteljahr bevor wir in Niedersachsen turnusmäßig für die Jahre 2027 und 2028 den Vorsitz der Sportministerkonferenz übernehmen werden, hatten wir hier im hohen Norden schon einmal die Gelegenheit, uns gemeinsam mit dem aktuellen Vorsitzland Baden-Württemberg als gute Gastgeberinnen der SMK zu präsentieren. Insbesondere mit unseren Beschlüssen zur Gründung eines Zentrums für Safe Sports und der Forderung nach klaren finanzrechtlichen Rahmenbedingungen für unsere Sportvereinehalte haben wir heute wichtige Akzente für den Sport in Deutschland setzen können.“
SMK-Vorsitzende Theresa Schopper, Sportministerin Baden-Württemberg: „Kinder bewegen sich von Natur aus gern und bringen oft großes Potenzial mit. Entscheidend ist, dass wir ihnen ausreichend Gelegenheiten bieten, diese Freude und ihre Fähigkeiten zu entfalten – in der Schule, im Verein, im Alltag. Das tun wir offenbar noch nicht, wie der erwiesene Bewegungsmangel von Kindern zeigt. Wir brauchen also einen echten Bewegungsruck – von klein auf, von Anfang an. Mit einem Nationalen Aktionsplan wollen wir erreichen, Sport und Bewegung selbstverständlich zu verankern und so die Basis für Gesundheit, Teilhabe und zukünftige sportliche Spitzenleistungen zu stärken. Gleichzeitig setzen wir uns klar dafür ein, dass die Nordische Kombination olympisch bleibt – und dass Frauen dort endlich die gleichen Chancen bekommen wie Männer.“
Bundesvertretung Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministern für Sport und Ehrenamt: „Mit dem Zentrum für Safe Sport schaffen wir eine von den Sportverbänden unabhängige und verlässliche Anlaufstelle, die Maßnahmen zur Prävention, Intervention und Aufarbeitung interpersoneller Gewalt im Sport bündelt. Es ist unser Ziel, den Sport für alle Beteiligten sicherer zu machen, sodass Missstände offen angesprochen und konsequent verfolgt werden können. Gleichzeitig gehen wir mit dem Sportfördergesetz einen wichtigen Schritt, um den Leistungssport zu stärken, die Rahmenbedingungen für unsere Athletinnen und Athleten zu verbessern und die Förderprozesse unbürokratischer und effizienter zu gestalten. Mit der unabhängigen Spitzensport-Agentur schaffen wir eine zentrale Stelle zur Förderung und Entwicklung des Spitzensports aus einer Hand. So wollen wir die Spitzensportreform zu einem guten Abschluss bringen und den Weg bereiten, um den deutschen Spitzensport zukunftsfest und international wieder erfolgreicher aufzustellen.“
A-Länder-Sprecher Andy Grote, Sportsenator Hamburg: „Die entscheidenden Weichen für ein aktives und gesundes Leben werden in der Kindheit gestellt. Bislang erreichen jedoch viele Kinder die Bewegungsempfehlungen der WHO von täglich einer Stunde körperlicher Aktivität nicht. Hier müssen wir dringend mehr tun. Mit unserer Initiative für einen Nationalen Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports wollen wir das Momentum der Olympia-Bewerbung und die Chance der flächendeckenden Einführung der schulischen Ganztagsbetreuung in Deutschland nutzen, um hier einen großen Schritt nach vorne zu machen. Gemeinsam müssen wir alles dafür tun, um der Olympischen Generation der heute 5- bis 15-Jährigen ein Aufwachsen in Sport und Gemeinschaft, statt im Netz zu ermöglichen.“
B-Länder-Sprecher Armin Schuster, Sportstaatsminister Sachsen: „Es war ein unhaltbarer Zustand, dass die Frauen in der Nordischen Kombination bei den Olympischen Spielen in Mailand/Cortina d’Ampezzo 2026 nicht an den Start gehen durften. Wir richten als Sportministerkonferenz daher ein klares Signal an das IOC. Bei den kommenden Olympischen Winterspielen in Frankreich braucht es Frauenwettbewerbe in der Nordischen Kombination genauso wie die Wettbewerbe der Männer. Die Kombination aus Skispringen und Skilanglauf im Olympischen Programm zu erhalten, ist nicht nur für die Nordische Kombination, sondern auch für beide Spezialsportarten von immenser Bedeutung. Mit „Jugend trainiert“ haben wir ein erfolgreiches Markenzeichen, um Kinder und Jugendliche auf Olympische und Paralympische Spiele vorzubereiten. Diesem Erfolgsmodell wollen wir mit dem geplanten Nationalen Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports neuen Auftrieb verleihen. Das jetzt vorgelegte Sportfördergesetz als Herzstück der Reform des Leistungs- und Spitzensports muss zügig auf Bundesebene beschlossen und möglichst bis zur Sommerpause im Bundestag verabschiedet werden. Besonders der baldige Aufbau der unabhängigen Spitzensport-Agentur liegt uns Sachsen sehr am Herzen.“
Einzelne Themen und Beschlüsse
Interpersonale Gewalt und sexuelle Übergriffe sowie Gefährdungen des Kindeswohls im Sport sind inakzeptable Verstöße gegen die Rechte der Betroffenen und die Integrität des Sports. Die Sportministerkonferenz setzt sich seit Jahren konsequent gegen jede Form solcher Übergriffe ein. Ein wichtiger Schritt war die Einrichtung der unabhängigen Ansprechstelle Safe Sport, die im Juli 2023 ihre Arbeit aufgenommen hat. Ihr aktueller Jahresbericht zeigt erneut den Bedarf einer zentralen und unabhängigen Struktur – insbesondere für den Spitzensport.
Die SMK begrüßt daher die Initiative des Bundes, ein Zentrum für Safe Sport (ZfSS) zur Prävention und Bekämpfung von interpersonaler Gewalt im Sport in Kassel einzurichten und dass der Bund zunächst die Finanzierung übernimmt. Als Entscheidungsgrundlage, ob die Länder sich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt an der Finanzierung des Zentrums beteiligen, soll frühestens 2029 evaluiert werden, ob mit der Arbeit des ZfSS maßgebliche Synergieeffekte für den Breitensport entstanden sind.
Der Trägerverein soll zeitnah gemeinsam mit dem Bund gegründet werden. Zugleich appellieren die Länder an den DOSB, die Fachverbände und die Landessportbünde, den Safe Sport Code konsequent umzusetzen und damit wirksame Untersuchungs- und Sanktionsmöglichkeiten sowie die Rechtsgrundlage für ein wirksames ZfSS zu schaffen.
Bereits auf der 52. Sportministerkonferenz in Heidelberg hatten die Länder betont, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche frühzeitig stärker in Bewegung zu bringen – auch mit Blick auf eine mögliche deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in den 2040er-Jahren und die Talente, die dann an den Start gehen könnten.
Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich regelmäßig, treiben Sport mit großer Begeisterung und engagieren sich in Vereinen. Darin liegt ein erhebliches Potenzial für Gesundheit, Leistungsentwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie für die Nachwuchsentwicklung im Breiten- und Leistungssport. Gleichzeitig erreicht nur etwa ein Viertel der Heranwachsenden in Deutschland die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag. Studien zeigen zudem motorische Defizite im Kindesalter (zum Beispiel MoMo-Studie).
Die SMK hat deshalb beschlossen, basierend auf dem Beschluss aus Heidelberg einen Nationalen Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports mitzuentwickeln.
Im Mittelpunkt stehen fünf prioritäre Handlungsfelder:
- tägliche Bewegungszeit für Kinder und Jugendliche gemäß WHO-Empfehlung
- grundlegende Schwimmfähigkeit für jedes Kind
- stärkere Beratung von Eltern zur Bedeutung von Sport und Bewegung
- Monitoring der motorischen Entwicklung
- systematische Talenterkennung und Talententwicklung
Der Nationale Aktionsplan soll als strategische Orientierung für Entwicklungen und Entscheidungen aller beteiligten Akteure dienen und bestehende Maßnahmen bündeln, Synergien stärken und die ressortübergreifende Zusammenarbeit fördern. Das Ziel: Eine frühzeitige Begeisterung für Sport und Bewegung, die häufig den Grundstein für ein aktives und gesundes Leben legt. Abgestimmte Eckpunkte sollen auf der 54. Sportministerkonferenz in Konstanz vorliegen.
Die Nordische Kombination gehört seit 1924 zum olympischen Programm und verbindet Skispringen und Skilanglauf. Sie ist zugleich eine wichtige Einstiegssportart für viele Nachwuchsathletinnen und -athleten. Das Internationale Olympische Komitee hat jedoch Frauenwettbewerbe für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina abgelehnt und angekündigt, den Verbleib der Männerwettbewerbe über 2026 hinaus zu prüfen.
Ein Wegfall der Disziplin würde nicht nur eine traditionsreiche Sportart betreffen, sondern auch bestehende Strukturen der Nachwuchsarbeit und Infrastruktur (Sportstätten-Infrastruktur, Trainingsstätten-Förderung, Talentidentifikation und -gewinnung etc.) beeinträchtigen.
Die SMK spricht sich daher für die Aufnahme von Frauenwettbewerben und den Verbleib des Männerwettbewerbs im olympischen Programm aus. So wird auch entsprechend der Zielsetzung des IOC gehandelt – nämlich Maßnahmen zur Herstellung von Geschlechterparität umzusetzen. Zugleich wäre dies ein strukturelles Signal zum Abbau historisch gewachsener Ungleichgewichte im Leistungssport. Wettbewerbe in der Nordischen Kombination, für Frauen und Männer, sind daher notwendig.
Dank vorhandener Infrastrukturen ist die Integration von Frauenwettbewerben ohne signifikanten Mehraufwand realisierbar. Die Nordische Kombination der Frauen hat sich in den vergangenen Jahren substanziell weiterentwickelt. Mit der Einführung und Etablierung von Weltcup-Serien und Weltmeisterschaften sowie einer kontinuierlich wachsenden Zahl teilnehmender Nationen gibt es mittlerweile tragfähige sportfachliche und organisatorische Strukturen. Die SMK fordert den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf, sich in enger Abstimmung mit der Bundesregierung und dem Deutschen Skiverband für beides einzusetzen.
Die Ergebnisse der vergangenen Olympischen und Paralympischen Wettbewerbe in Paris und Mailand/Cortina zeigen, dass Deutschland derzeit hinter seinen sportlichen Möglichkeiten und eigenen Ansprüchen zurückbleibt.
Ein seit 2022 laufender Reformprozess soll die Förderung des Spitzen- und Leistungssports deshalb neu aufstellen. Kern der Reform ist die Einrichtung einer unabhängigen Spitzensport-Agentur. Die SMK unterstützt diese Neuordnung und betont: Der Erfolg der Reform hängt entscheidend davon ab, dass Bund, Länder und organisierter Sport sie gemeinsam tragen. Wichtig ist, dass der Bund das Gesetz bald verabschiedet.
Die SMK hat sich auch mit den Folgen des sogenannten Herrenberg-Urteils des Bundessozialgerichts auf den organisierten Sport befasst. Das Urteil hat zu Rechtsunsicherheiten bei Lehr- und Qualifizierungstätigkeiten im Sport geführt.
Dessen Anwendung belastet und gefährdet die Qualifizierungsstrukturen und den Trainingsbetrieb im organisierten Sport. Von einer veränderten sozialversicherungsrechtlichen Bewertung betroffen sein könnten:
- etwa 20.000 Referentinnen und Referenten,
- mehr als 100.000 Trainerinnen und Trainer,
die als Fachkräfte auf Honorarbasis für Sportverbände und Sportvereine tätig sind. Die Bundesregierung plant, die Übergangsregelung bis Ende 2027 zu verlängern und eine dauerhafte gesetzliche Lösung zu erarbeiten. Die Länder unterstützen dieses Vorgehen und fordern eine praxistaugliche und unbürokratische Regelung, die dem organisierten Sport Planungs- und Rechtssicherheit gibt.
Mit mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften in ungefähr 86.000 Vereinen erlebt der organisierte Sport in Deutschland derzeit großen Zulauf. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom November 2025 schafft jedoch neue Unsicherheiten bei der steuerlichen Behandlung von Mitgliedsbeiträgen. Künftig soll eine einzelfallbezogene Prüfung erforderlich werden. Dieser zusätzliche Aufwand stellt viele Vereine – insbesondere die kleineren – vor erhebliche organisatorische Herausforderungen, denn es besteht dann keine automatische Umsatzsteuerfreiheit für sämtliche Mitgliedsbeiträge mehr. Gleichzeitig werden die bestehenden europarechtlichen Freistellungsmöglichkeiten für Sportvereine in Deutschland bislang nicht ausreichend genutzt.
Die SMK fordert daher eine klare und praxistaugliche, unbürokratische gesetzliche Regelung zur Umsatzsteuerbefreiung sportbezogener Leistungen gemeinnütziger Sportvereine. Diese Rechtssicherheit ist notwendig, damit unsere Sportvereine entlastet werden und der gemeinnützige Sport funktionsfähig bleiben kann.
Mit der Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen haben Bund, Länder und DOSB 2021 Leitlinien für nachhaltige internationale Sportevents in Deutschland vereinbart. Ziel ist es, positive Wirkungen für Sport, Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft zu erzielen, breite Akzeptanz durch Beteiligung der Bevölkerung zu sichern, transparente Prozesse zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Standort zu stärken – auch im Hinblick auf Olympische und Paralympische Spiele. Zur Umsetzung soll ein Netzwerkforum Sportgroßveranstaltungen entstehen.
Es soll:
- Wissen bündeln,
- Akteure vernetzen,
- Bund, Länder und Kommunen bei internationalen Sportevents unterstützen.
Die Länder haben dem Reglement für dieses Forum zugestimmt und bieten dem DOSB, dem Bund und den Kommunalen Spitzenverbänden ihre Mitwirkung an der weiteren Umsetzung an.
Berichte ohne Beschlüsse
Weitere Berichte befassten sich unter anderem mit:
- Anforderungen nationaler und internationaler Verbände an die Sportstätteninfrastruktur
- den Sanierungsprogrammen des Bundes aus der „Sportmilliarde“
- Ergebnissen des Sportentwicklungsberichts (Bericht vom DOSB)
- Fußball und Gewalt
- den Olympischen und Paralympischen Winterspielen 2026 (Bericht von DOSB und DBS)
- einer möglichen deutschen Bewerbung für Sommerspiele in den 2040er-Jahren (Bericht vom DOSB)
Ende und Ausblick
Die 53. Sportministerkonferenz sendet ein klares Signal: Sport muss sicher sein und allen Menschen offenstehen. Mehr Bewegung – besonders für Kinder und Jugendliche – ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Sport stärkt Gesundheit, Bildung, Teilhabe und Zusammenhalt. Wir benötigen einen Bewegungsruck, von Anfang an – im Sinne des Einzelnen, für die gesamte Gesellschaft. Bund, Länder, Sportorganisationen und Gesellschaft müssen deshalb gemeinsam daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung in Deutschland weiter zu verbessern.
Die nächste Sportministerkonferenz findet am 15. und 16. Oktober 2026 in Konstanz statt.

