„Der neu besenderte Kuder B3013 mit dem Namen Gero war auch im Streifgebiet der Luchskatzen Verena und Elisabeth unterwegs, die Ende November 2024 und im Oktober 2025 ausgewildert worden sind. Wir erwarten nun mit Spannung auf den Frühsommer. Vielleicht freuen wir uns dann schon über Luchsnachwuchs im Land“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der erfolgreichen Besenderung eines männlichen Luchses im Landkreis Rastatt.
Ende Februar war der Fang einem Team rund um das Luchsmonitoring an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) gelungen. „In der Vergangenheit konnten die engagierten Kolleginnen und Kollegen unseres Wildtierinstituts in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft immer wieder zugewanderte Tiere fangen und besendern“, erklärte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor der FVA. Seit 2015 habe es Luchse im Schwarzwald zwölfmal erfolgreich mit einem Halsbandsender ausgestattet. „Dabei sind wir insbesondere froh über die enge Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband und der lokalen Jägerschaft, die das erfolgreiche Luchsmonitoring ermöglichen“, betonte Prof. Dr. Schraml.
Luchs ist gesund und seit Januar territorial
Ermöglicht wurde dieser Fang durch eine Zusammenarbeit mit dem Wildtierbeauftragten des Landkreises, Thomas Bauer, dem lokalen Jagdpächter sowie dem Landesjagdverband Baden-Württemberg und dem Veterinär des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe, Marco Roller. Anschließend folgte eine Untersuchung des Tieres, es wurde mit einem Halsbandsender ausgestattet und wieder freigelassen. „Die medizinische Untersuchung hat ergeben, dass der Luchs bei bester Gesundheit ist“, erklärte Wildtierbiologe Jens Seeger, dem das Tier bestens bekannt ist: „Wir haben den Kuder das erste Mal im Frühjahr 2025 im Südschwarzwald nachweisen können.“ Anschließend sei der etwa zwei Jahre alte Luchs in den Nordschwarzwald abgewandert. Dort gibt es seither immer wieder Nachweise des Tieres. Seit Januar dieses Jahres gilt er im Nordschwarzwald als territorial, also heimisch.
Luchskuder stammt vermutlich aus dem Jura
Die genaue Herkunft des männlichen Luchses ist unklar, die Expertinnen und Experten vermuten allerdings, dass das Tier aus dem Jurabogen in Frankreich oder der Schweiz stammt.
Der Halsbandsender wird nun ein Jahr lang Daten über seine Lebensraumnutzung, Wanderbewegungen und indirekt auch das Nahrungsspektrum des Tieres liefern. Das Besendern von Tieren ein zentraler Baustein des Luchsmonitorings an der FVA.
Kuder war im Streifgebiet von Verena und Elisabeth unterwegs
B3013 wurde im Streifgebiet von Verena besendert, der Luchskatze, die Ende November 2024 im Rahmen des Projekts „Luchs Baden-Württemberg“ ausgewildert worden war. Auch im Territorium der im Oktober 2025 ausgewilderten Katze Elisabeth wurde er bereits nachgewiesen. Damit erhöht sich die Chance, für eine erste Reproduktion seit Rückkehr der Luchse in den Schwarzwald.
Benennung von Luchsen
Luchse haben ein individuelles Fleckenmuster, das ähnlich wie der menschliche Fingerabdruck einzigartig ist.
Sind die Fleckenmuster beider Körperseiten bekannt, erhalten diese Luchse eine laufende Nummer (zum Beispiel B3010). Werden Luchse im Rahmen des Luchsmonitorings gefangen und besendert, erhalten sie traditionell vom Landesjagdverband Baden-Württemberg, der die Patenschaft für die Luchse übernimmt, kurz darauf einen zusätzlichen Rufnamen. Zwischenzeitlich hat der Landesjagdverband zusammen mit dem örtlichen Jagdpächter den Luchs B3013 auf den Namen „Gero“ getauft. Die Namensfindung steht in Bezug zum Geroldsauer Wasserfall, in dessen Nähe der Luchs gefangen wurde. Armin Hafner aus dem Luchs-Projekt-Team des Landesjagdverbandes sagte, „Wir freuen uns mit allen Projekt-Partnern über die positive Entwicklung und sehr gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, die zum Gelingen der Projektziele beitragen. Das Luchsmonitoring wird von der Jägerschaft sehr unterstützt.“
Projekt „Luchs Baden-Württemberg“
Um das Luchsvorkommen im Land zu stärken, wurde 2023 das Projekt „Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, durch die gezielte Auswilderung von genetisch geeigneten Luchsen ein nachhaltiges Luchsvorkommen in Baden-Württemberg aufzubauen. Die Besenderung von Luchsen und das Monitoring sind wichtige Bausteine, um die Rückkehr der Luchse wissenschaftlich zu begleiten.
Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) hat die Projektleitung inne und arbeitet in enger Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe sowie der Luchs-Initiative Baden-Württemberg zusammen. Das Projekt wird durch die alosa Stiftung unterstützt. Auftraggeber ist das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
Die in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, welches durch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) koordiniert wird.
Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird vom Expertinnen- und Experten-Netzwerk Linking Lynx begleitet, dass sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses beschäftigt.

