Verkehrsminister Winfried Hermann hat dem Ministerrat am Dienstag, 3. Februar 2026, über Maßnahmen für sichere Wege zur Schule durch Schulstraßen und Schulzonen berichtet.
Der tägliche Weg zur Schule prägt das Mobilitätsverhalten ein Leben lang. Wer früh lernt, Wege eigenständig zurückzulegen, gewinnt Sicherheit, Orientierung und Selbstvertrauen. Daher müssen wir dafür sorgen, dass der Schulweg sicher ist.
„Der tägliche Weg zur Schule prägt das Mobilitätsverhalten ein Leben lang. Wer früh lernt, Wege eigenständig zurückzulegen, gewinnt Sicherheit, Orientierung und Selbstvertrauen. Daher müssen wir dafür sorgen, dass der Schulweg sicher ist. Gerade die hohe Anzahl der sogenannten Elterntaxis führt immer wieder zu unübersichtlichen und gefährlichen Situationen vor den Schulen. Schulstraßen und Schulzonen sind effektive Lösungen, um den Schulweg für Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Zeiten sicherer zu machen. Die Landesregierung hat mit einem Erlass für rechtliche Klarheit bei der Umsetzung dieser Lösungen gesorgt und Hürden abgebaut. Mit dem neuen Leitfaden (PDF) setzen wir einen weiteren Impuls“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats.
Verkehrsminister Winfried Hermann betonte: „Wenn sich Autos morgens Stoßstange an Stoßstange vor den Schulen drängen, wird der Schulweg für Kinder schnell zur Gefahrenzone. Das müssen wir ändern. Mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung 2024 ist die Umsetzung von Schulstraßen und Schulzonen rechtlich leichter geworden. Damit ist aber noch keine Schulstraße eingerichtet. Wir bieten deshalb ein Beratungsprogramm und jetzt auch einen neuen Leitfaden, der bei der Umsetzung unterstützt. Mit MOVERS haben wir in Baden-Württemberg ein starkes interministerielles Programm geschaffen. Jetzt wird es entsprechend erweitert. MOVERS verbindet flächendeckende Schulwegpläne, ein starkes Beratungsnetzwerk und erfolgreiche Mitmach-Aktionen mit einem neuen, klaren Fokus auf Schulstraßen und Schulzonen. Die Grundlagen für mehr Sicherheit für die Kinder und Jugendlichen sind mit dem Erlass und dem nun veröffentlichten neuen Leitfaden gelegt.“
Land unterstützt Kommunen bei Maßnahmen zum Schutz vor Schulwegunfällen
Die Zahl der statistisch erfassten Unfälle auf dem Schulweg lag 2024 bei 378, 2023 bei 423 und 2022 bei 357. Ein zentraler Baustein, um diese Zahl zu senken, ist die Einrichtung von Schulstraßen und Schulzonen. Sie schaffen vor Schulen zeitweise oder dauerhaft autofreie Bereiche und entschärfen gefährliche Situationen genau dort, wo Kinder besonders schutzbedürftig sind. Ein Erlass des Verkehrsministeriums erleichtert den Kommunen in Baden-Württemberg seit August 2025 die Einführung deutlich: rechtliche Fragen wurden geklärt, bürokratische Hürden gesenkt, aufwendige Verkehrszählungen sind nicht mehr erforderlich. Nun wird ein neuer, praxisorientierter Leitfaden zur Umsetzung von Schulstraßen und -zonen veröffentlicht und damit diese gezielt vorangetrieben. Ergänzt wird dies durch eine weitgehende Unterstützung und Vereinfachung von Schulstraßen sowie eine gut ausgebaute Förderlandschaft, etwa für Personal, für Konzepte oder über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) für Infrastrukturmaßnahmen und Abstellanlagen.
Schulstraßen: Klare Regeln, weniger Hürden, mehr Handlungsspielraum
Der Leitfaden mit dem Titel „Schulstraßen und Schulzonen in Baden-Württemberg erfolgreich umsetzen“ gibt konkrete Hilfestellungen zur Kommunikation, Einbindung von Eltern, Schulen und Anwohnerinnen und Anwohnern sowie dazu, wie Straßen sicher abgesperrt und kindgerecht gestaltet werden können. „Denn Schulstraßen und Schulzonen betreffen Eltern, Anwohnende und Schulen gleichermaßen – und funktionieren vor allem dann gut, wenn alle mitgenommen werden“, betonte der Verkehrsminister.
Landesweit entstehen derzeit viele Schulstraßenprojekte oder sind in Planung, unter anderem in Freiburg, Tübingen, Ulm, Heidelberg, Kirchheim unter Teck und Rottenburg. Ziel des Landes ist es, in den kommenden Jahren Schulstraßen oder -zonen möglichst flächendeckend zu etablieren und dauerhaft zu verankern. „Es gilt, den Raum vor Schulen spürbar sicherer zu machen. Der Weg zur Schule soll nicht Angst, sondern Freude machen. Hier sind neben den Behörden die Eltern gefragt, die Kinder zum selbstständigen Weg zur Schule zu motivieren“, so Hermann.
Sichere Schulwege als Grundlage
Schulstraßen und Schulzonen sind Teil eines umfassenderen Ansatzes zur sicheren Schulmobilität. Eine wichtige Basis bilden Schulwegpläne, die seit dem Schuljahr 2021/2022 verpflichtend sind. Bereits rund 85 Prozent der Schulen verfügen über einen Gehschulwegplan, etwa 65 Prozent der weiterführenden Schulen zusätzlich über einen Radschulwegplan. Damit liegt vielerorts erstmals eine systematische Grundlage für sichere Schulwege vor.
Schulmobilität flächendeckend unterstützen
Begleitet werden diese Maßnahmen seit 2022 durch das Landesprogramm MOVERS – Aktiv zur Schule. Es bündelt die Aktivitäten mehrerer Ministerien und versteht Schulmobilität als gemeinsame Landesaufgabe. Ein Herzstück von MOVERS ist das landesweite Beratungsnetzwerk. Aktuell unterstützen 28 Beraterinnen und Berater Schulen und Kommunen vor Ort. Seit 2022 wurden rund 3.800 Kontakte gezählt und über 1.000 Beratungstermine durchgeführt. So konnten bereits rund die Hälfte aller Schulen und etwa zwei Drittel aller Kommunen erreicht werden.
Ergänzt wird die strukturelle Arbeit durch Mitmach-Aktionen, die Eltern, Kinder und Schulen aktiv einbinden. Das Schulradeln verzeichnete alleine im Jahr 2025 über 1.300 teilnehmende Schulen. Die Schulwegprofis erreichen inzwischen rund 65.000 Kinder und Familien. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zeigt Wirkung: MOVERS ist landesweit bekannt. Allein das Pixi-Buch „Auf dem Schulweg ist was los!“ erreichte seit 2023 über 300.000 Kinder.
Klare Richtung für die kommenden Jahre
Verkehrsminister Hermann fasste zusammen: „Die Grundlagen sind gelegt: verbindliche Schulwegpläne, ein starkes Beratungsnetzwerk und ein klarer Fokus auf Schulstraßen und Schulzonen. In den kommenden Jahren geht es darum, diese Maßnahmen konsequent umzusetzen – für weniger Autos vor Schulen und mehr Sicherheit für Schülerinnen und Schüler. Baden-Württemberg zeigt, wie sichere und eigenständige Schulwege aussehen können.“
Landesprogramm MOVERS – Aktiv zur Schule
MOVERS: Leitfaden „Schulstraßen und Schulzonen in Baden-Württemberg erfolgreich umsetzen“ (PDF)


