Online-Kommentierung
Die Änderung des § 7 Schulgesetz stärkt die Möglichkeiten der Realschulen, leistungsdifferenzierte Gruppen oder Klassen zu bilden, statt überwiegend leistungsstärkere und leistungsschwächere Schüler in einer Klasse gemeinsam zu unterrichten.


Kommentare
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Endlich evidenzbasierte Pädagogik an den Schulen!
Wann hört dieses mittelalterliche, an Parteibüchern und Landesgrenzen orientierte Herumschrauben am Schulsystem endlich auf! Die Gemeinschaftsschule ist eine sehr gute Idee, die bis jetzt sert gut umgesetzt werden konnte. Bitte lasst diese Pflanze weiter wachsen. Getreu Manfred Spitzer´s "Medizin für die Bildung" sollte wir endlich anfangen, wie in der Medizin unser Bildungssystem auf evidenzbasierte Füße zu stellen. Bevor wir wieder etwas ändern, lasst und doch eine richtige Studie durchführen. Nehmen wir 5 GMS und 5 Realschulen mit vergleichbaren Eigenschaften und beobachten wir detailliert, was mit den Kindern in - sagen wir - 3 Jahren passiert. Lasst uns Daten generieren für ordentliche Entscheidungen! Oder behandeln wir jetzt Lungenkrebs unter Grün-Schwarz auch anders wie unter Grün-Rot?
Der Name Gemeinschaftsschule muss einfach wegfallen.
Es verwundert mich sehr, daß jetzt plötzlich die Realschulen gestärkt werden sollen und dem Konzept der Gemeinschaftsschule angeglichen werden sollen, nur unter dem Namen Realschule! Warum muss die CDU immer so gegen die Gemeinschaftsschule sein, obwohl sie schon erkannt haben, daß dieses Konzept sehr gut ist? Ich glaube, es liegt einfach daran, da dieses Konzept von den Grünen und der SPD ins Leben gerufen wurde. Können wir hier nicht etwas Gemeinschaft zeigen und unser Schulsystem weiter wie bisher stärken? Unsere Kinder müssen darunter leiden. Nein, wir müssen gegeneinander kämpfen. Krieg auch in Deutschland, nur mit anderem Waffen. Schade, daß es so weit gekommen ist.
Realschule die neue/zweite Gemeinschaftsschule?
Ich halte es nicht für sinnvoll, die Realschulen zu stärken. Höchstens kurzfristig auf dem Weg zur Weiterentwicklung zur Gemeinschaftsschule. Wir brauchen nicht 2 Gemeinschaftsschularten. Es wäre viel wichtiger, die Gemeinschaftsschulen weiter zu entwickeln.
Folgende Fragen könnten eine Weiterentwicklung befördern:
Wann schaffen wir es endlich davon weg zu kommen, mit der Schule Menschen in irgendeiner Weise (egal ob über Schularten oder über 3 Niveaus) zu selektieren und permanent zu bewerten? Warum können nicht alle zusammen (möglichst jahrgangs- oder besser noch generationenübergreifend) lernen - und zwar das, wofür sie sich interessieren? Wann endlich geben wir es auf, die Schule wie vor 100 Jahren zu organisieren, nämlich alle im Gleichschritt ("alle lernen dasselbe zur selben Zeit" - mit leichten Verschiebungen in der Gemeinschaftsschule)? Wann endlich dürfen Kinder und Jugendliche aus ihrem innerem Antrieb heraus lernen (also innwendig und nicht auswendig)? Wo sind die zukunftsfähigen Schulkonzepte und visionäre Vorgaben aus dem Ministerium? Noch nie hat sich die Welt so schnell verändert wie heute. Unsere Kinder werden morgen Berufe ausüben, die es heute zum Teil noch nicht gibt. Die beste Vorbereitung auf die Welt von morgen ist, dass sie in ihren individuellen Lern- und Lebensprozessen begleitet und in ihren Interessen gefördert werden, damit sie sie selbst sein können, innerlich stark, eigenverantwortlich und kreativ.
Poolstunden schön und gut
Wenn ich mit motivierten Kollegen von gemeinschaftsschulen spreche, höre ich sehr oft, dass sie sich sehr alleine gelassen fühlen bei der Entwicklung der neuen konzepte und Materialien.
Die Idee der GMS mag ja wirklich gut sein, aber jede Schule ist nur songut wie die Lehrer motiviert sind.
Daher mein Apell:
Nutz die Poolstunden auch um den Kollegen Zeit zum entwickeln der Materialien zu geben und auch zeit sich individuell um die Kinder zu kümmern!
Gestresste und genervte Lehrer gibt es schon zu viele.
Und nehmt endlich mal Geld in die Hand und setzt den Klassenteiler auf 25 runter. In Klassen mit 30 Schülern, davon ein Großteil mit lerndefiziten und mangelnder Unterstützung aus dem Elternhaus lässt sich heute kaum zeitgemäß individuell fördern.
Wenn die versprechen vor der Wahl nicht zu Wortphrasen verkommen sollen muss auch mal wirklich in die Zukunft unseres Landes investiert werden...
Alternativlos?
Im Gesetzentwurf steht:
"3. Alternativen
Keine."
Keine? Da fallen mir als Laien einige Alternativen ein z.B. eine 6-jährige Grundschule oder ein Schulsystem in dem die Eltern nicht zwischen Haupt- und Realschule wählen sondern zwischen Halb- und Ganztagesschule, und warum sollen die Realschulen Hauptschüler aufnehmen und die Gymnasien keine Realschüler? So lange im Gesetzentwurf keine Alternativen stehen, finde ich, ist das Gesetz nicht richtig durchdacht. Ich würde mir wünschen, dass alle politischen Experte alle Ideologien und Parteiprogramme außer Acht lassen, sich verschiedenen Schulsysteme im In- und Ausland anschauen und dann überlegen was zu uns in Baden-Württemberg passt.
Gemeinschaftsschule wird dadurch geschwächt
Meiner Meinung nach wird die neue Schulform der Gemeinschaftsschule, in der dieses Schuljahr die ersten ihren Hauptschulabschluss machen werden, erheblich geschwächt. Ich finde es unnötig, dass an der Realschule nun auch der Hauptschulabschluss angeboten werden soll.
Realschule wird zur Restschule
Die Ausgrenzung nimmt zu - wer von den Schülern will schon freiwillig in den B-Kurs gehen? Somit wird aus der eigentlichen Realschule als Mittelschule eine Resteschule. Die Schulart hat damit den Namen Realschule nicht mehr verdient, da sich sich auch inhaltlich total wandeln muss. Mit den so knappen Ressourcen alles hinzubekommen ist wohl nicht möglich. Arme Lehrer, arme Schüler. Damit wird die Gemeinschaftsschule als Konzeptschule die eigentliche Alternative.
Poolstunden ja - Separierung Nein
Oh wie schön. Endlich kümmert sich jemand um mehr Poolstunden, damit nicht alle Klassenlehrerstunden, AG's, SMV Arbeit und Ausflüge der Vergangenheit angehören.
Was? Dafür unterteilen wir die Klasse in die "Starken" und "Schwachen"?
Wer auf die Idee gekommen ist, soll sich bitte mal in die Zeit zurückversetzen, in der er selbst 10 bis 16 Jahre alt war, oder mit Menschen, nahe dem realen Bildungswesen sprechen.
Über den Tellerrand schauen
Mit der Stärkung der Realschule ist die Landesregierung leider vom richtigen Weg abgekommen - nämlich die Fokussierung auf Gemeinschaftsschulen. Wie schon mehrfach hier erwähnt ist das gemeinsame Lernen die einzig richtige Lernform anstatt eine Segmentierung von Stärkeren und Schwächeren. Es lohnt sich ein Blick über den Tellerrand: es kann kein Zufall sein, das Länder mit inklusive Lernformen und einer Schulart (Gemeinschaftsschule) besser abschneiden als Deutschland. Hier ein kleiner Rückblick: in Großbritannien gab es bis in den 1970er Jahren ein dreigliedriges Schulsystem (Gymnasium, Realschule, Hauptschule). Dann wurden alle Schulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt, um gemeinsames Lernen und die Chancengleichheit zu erhöhen. Meine Vermutung ist, das so eine Entwicklung in Deutschland noch jahrzehntelang dauern wird...und Rückschritte wie die Stärkung der Realschule nicht zu Chancengleichheit und inklusivem Lernen beitragen werden. Augen auf!
Keine Stärkung sondern das Gegenteil
Diese Gesetzesänderung ist keine Stärkung der Realschule sondern das Gegenteil, es wird die Realschule am Ende schwächen. Warum glaube ich, dass das so ist?
- Die vorgestellte Formulierung ist verpflichtend, d.h. es ist nicht von "Möglichkeit" oder "Kann" die Rede, sondern, "Der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit entspricht [die Realschule] durch individuelle Förderung ... in leistungsdifferenzierenden Gruppen oder Klassen.". Diese Formulierung ist eine "Muss"-Formulierung, die Freiheiten und die Möglichkeiten der Realschule werden also eingeschränkt. Auf eine Leistungsdifferenzierung zu verzichten ist hier keine Option mehr, nicht mal in Ausnahmefällen.
- Die Unterscheidung in Gruppen oder Klassen ist keine wirkliche Option. Da eine Leistungsdifferenzierung verpflichtend ist, wird jede Schulleitung den möglichst einfachen und praktikabelsten Weg gehen, insbesondere bei nur geringfügig erhöhter personeller Ausstattung. Dieser praktikable Weg wird die Differenzierung von Anfang an in vermeintlich leistungsstarke und leistungsschwache Klassen sein und in diesen wird im besten Fall so wie bisher binnendifferenziert, im schlechtesten Fall gar nicht. Das Ergebnis ist die alte Zementierung des Bildungsverlaufs nach der Grundschule, d.h. ab dem ersten Schuljahr in der weiterführenden Schule ist das Ergebnis, der Abschluss, der erreicht wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagbar und damit festgelegt. Die Abhängigkeit des erreichbaren Abschlusses von der sozialen Herkunft wird unverändert hoch bleiben oder sich verstärken.
- Der Vorteil der Schule und der Lehrer liegt auf der Hand: man kann sich besser auf die leistungsstarken Klassen konzentrieren, der Unterricht dort wird einfacher, da weniger Störung. Ob der Unterricht aber in den leistungsschwachen Klassen dadurch besser wird, ist in keiner Weise bestimmt. Für die Kinder, die sich momentan schwerer mit dem Lernen tun, ist also kein Vorteil sicher, eine Konzentration von (momentan) leistungsschwachen in einer Klasse lässt eher eine Verschlechterung der Bedingungen erwarten.
Weitere sich daraus ergebende Folgen:
- Diese Entwicklung wird zu großem sozialen Unfrieden in der Realschule und auch in der Grundschule führen, da klar ist, dass man sich als Eltern rechtzeitig um einen Platz in der "richtigen" Klasse bemühen muss. Die Grundschulempfehlung wird dadurch indirekt wieder eingeführt, da ein bestimmter Notendurchschnitt am Ende der Grundschule wieder nötig ist, um in die "richtige" Klasse zu kommen. Dass sich die Notengebung in der Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 künftig ausschließlich am mittleren Niveau ausrichtet, das zum Realschulabschluss führt, ist dabei keine Hilfe, da erstens die Festlegung in leistungsstark und leistungsschwach, wie eben ausgeführt, schon am Ende der Grundschule beginnt und zweitens, bei einer Differenzierung in leistungsstarke und leistungsschwache Klassen, der Durchschnitt unverändert bleibt, wenn die einen etwas besser werden und die anderen etwas schlechter.
- Andere Schulen, z.B. die Gymnasien werden ähnliche Gesetzesformulierung bzw. Möglichkeiten fordern, da es für die einzelne Schule einen Vorteil bedeutet, differenzierte Klassen zu bilden. Dies ist jedoch nur ein organisatorischer Vorteil, der pädagogische Vorteil ist dabei sehr unsicher oder es kann sich daraus sogar ein pädagogischer Nachteil ergeben. Ein pädagogischer Nachteil wird aber nie zugegeben werden, da es einfacher sein wird, sich auf die vermeintliche Leistungsschwäche der Schüler zu berufen. Dies soll nicht als Kritik an der Lehrerschaft missverstanden werden, es ist ganz alleine eine Folge aus der Systematik, die sich aus solchen Gesetzen ergibt.
Am Ende dieser Prozesse hat die Realschule keinen Vorteil mehr gegenüber anderen Schulen, sondern steht im allgemeinen Ansehen so schlecht da, wie die Hauptschule heute. Der fortschreitenden Abschaffung der Hauptschulen, die an sich vielleicht sinnvoll ist, wird durch diese Gesetzesänderung eine Neuschaffung der Hauptschule innerhalb der Realschule entgegengesetzt, wodurch eine Unterscheidung zwischen Realschule und Werkrealschule völlig unnötig wird. Das Ergebnis am Ende wird das Gymnasium sein, so wie es heute ist und der Rest, der das Ansehen der vergangenen Hauptschulen genießt, die abgesehen davon, wesentlich besser als ihr Ruf waren/sind und aus pädagogischer Sicht wahrscheinlich das Beste sind, was wir haben. Der Schülerdruck in die Gymnasien wird weiter steigen.
Allgemeine Kritik:
Der Gesetzesänderungsentwurf beinhaltet keinerlei kritische Folgenabschätzung. Es ist ausschließlich von den wünschenswerten Zielen die Rede. Es wird nicht einmal erläutert, warum die genannten Ziele damit überhaupt erreicht werden können. Das einzige Faktum ist die Änderung des Gesetzes als solches, alles weitere ist Wunschdenken. So stelle ich mir nicht die Arbeit eines Ministeriums vor. Der Vorschlag und die Darbietung sind enttäuschend.
Oliver Heil, Eberbach
Elternbeirat