Online-Kommentierung
Mit der Änderung des Schulgesetzes sollen die Sprachfördergruppen ebenso wie die Juniorklassen als Kernelemente des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ etabliert werden.
Weitere Informationen aus dem Vorblatt des Gesetzentwurfs
Sprachfördergruppen sowie Juniorklassen werden als wesentliche Bausteine des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ gesetzlich verankert und die Bedingungen für ihre Einrichtung ebenso wie die entsprechenden Besuchspflichten und ihre Voraussetzungen geregelt. Die Grundschulförderklassen werden aufgehoben, die Möglichkeit der Zurückstellung vom Schulbesuch entfällt für Kinder mit der Verpflichtung, die Juniorklasse zu besuchen.
Der Bildungsgang des allgemein bildenden Gymnasiums der Normalform wird auf neun Jahre verlängert und damit die Möglichkeit für eine Anreicherung mit neuen Innovationselementen geschaffen.
Der Auftrag der auf der Grundschule aufbauenden Schulen wird angepasst, um ihre Attraktivität für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler zu erhalten.
Das Übergangsverfahren von der Grundschule auf die weiterführende Schule wird durch die Einbeziehung der Kompetenzmessung valider und damit passgenauer ausgestaltet. Voraussetzung für die Aufnahme in das allgemein bildende Gymnasium wird künftig eine pädagogische Gesamtwürdigung durch die Klassenkonferenz oder die erfolgreiche Teilnahme an einer zentral bereit gestellten Kompetenzmessung sein. Zusammen mit dem Elternwunsch basiert die Schulartwahl damit auf drei Elementen, von denen zwei erfüllt sein müssen.
Für den Fall, dass keine der genannten Voraussetzungen dem Elternwunsch entspricht, wird die Möglichkeit geschaffen, durch einen Potentialtest zusätzliche Orientierung zu erhalten und zugleich die Aufnahmevoraussetzung für das Gymnasium zu erfüllen.
Pädagogische Fachverfahren sollen über die vorhandene Nutzer- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform SCHULE@BW erreichbar sein.
Die Auskunftspflichtigen, die zu erhebenden Daten und Hilfsmerkmale und der Erhebungsstichtag für die Ganztagsausbaustatistik werden bestimmt und die Ermächtigungsgrundlage für die erforderliche Rechtsverordnung geschaffen.
Keine.
Durch die Implementierung des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ mit den Sprachfördergruppen sowie den Juniorklassen, den neunjährigen Bildungsgang am Gymnasium mit seinen nicht im Schulgesetz verankerten fünf Innovationselementen, den Innovationselementen an Hauptschulen/Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen, die Ausweitung des Ganztags nach Paragraf 4a SchG im Primarbereich der sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die Nutzer- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform SCHULE@BW sowie die Ganztagsausbaustatistik entstehen Kosten für öffentliche Haushalte, die in der Begründung des Änderungsgesetzes unter Punkt 5 der Begründung (Finanzielle Auswirkungen) aufgeschlüsselt sind. Über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln und Stellen für die oben genannten Maßnahmen ist im Rahmen der künftigen Haushaltsplanaufstellungen unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und deren zielgerichteter Steuerung zu entscheiden.
Für Bürgerinnen und Bürger entstehen keine zusätzlichen Bürokratielasten. Der Schulaufsichtsbehörde werden neue schulaufsichtsrechtliche Aufgaben zugewiesen. Vollzugstauglichkeit wird gewährleistet.
Die Änderungen des Schulgesetzes fördern die nachhaltige Entwicklung in mehreren Zielbereichen, insbesondere in den Bereichen der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit.
Der Digitaltauglichkeits-Check nach Nummer 5.4.2 der Verwaltungsvorschrift (VwV) der Landesregierung und der Ministerien zur Erarbeitung von Regelungen (VwV Regelungen) wurde durchgeführt.
Mit den Regelungen wird eine grundsätzliche Möglichkeit der digitalen Umsetzbarkeit der Übermittlung der Daten zur Einschätzung über den Entwicklungsstand beziehungsweise des Sprachförderbedarfes geschaffen.
Die Nutzung der bereits vorhandenen Nutzenden- und Zugangsverwaltung der Digitalen Bildungsplattform Schule@BW dient der Umsetzung des langfristigen strategischen Leitbilds des Landes zur Digitalisierung von Prozessen.
Die Einführung der Ganztagsausbaustatistik enthält digitalrelevante Vorgaben, die einer zügigen, digitalen und medienbruchfreien Abwicklung des Verfahrens nicht entgegenstehen.
Die Maßnahmen der Schulgesetzänderung, insbesondere die Sprachfördermaß-nahmen und die Verlängerung des gymnasialen Bildungsgangs auf neun Jahre erhöhen die vergleichsrelevanten Kosten im Sinne von Paragraf 18 a Privatschulgesetz (PSchG) und wirken sich entsprechend finanziell auf die Kopfsatzzuschüsse an Ersatzschulen gemäß Paragraf 18 Absatz 2a PSchG aus.
Die Ausweitung des Ganztags im Bereich der SBBZ kann zu höheren Ausgaben bei den SBBZ in freier Trägerschaft führen, da sich die Bezuschussung der Lehrkräfte und Schulleitungen nach den sich für die öffentlichen SBBZ geltenden Bestimmungen richtet.
Die für die Ganztagsausbaustatistik zu erhebenden Daten liegen den freien Trägern regelmäßig vor. Es entsteht allenfalls unerheblicher Aufwand für die Aufbereitung der Daten.


Kommentare
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Biologie
Ich bin sowohl Biologie- als auch Physiklehrkraft. Während ich eine zusätzliche Stunde in Physik natürlich für sich alleingestellt bereichernd finde, kann ich die Gewichtung im neuen Bildungsplan nicht nachvollziehen.
Biologie ist in so vielen Bereichen des Lebens von essenzieller Bedeutung, dass die Reduzierung des Faches auf grundsätzlich eine Unterrichtsstunde die solide Grundbildung in diesem Fach und damit die Basis für die Beurteilung so vieler Zukunftsthemen unserer Schüler stark beeinträchtigt.
In Biologie werden Nachhaltigkeitsthemen von Klimawandel und dessen biologischen Folgen, über Artensterben bis hin zu Nitrat- und Phosphatproblemen etcpp.. vermittelt. Die detaillierte Kenntnis dieser wichtigen Zukunftsthemen ist für das Handeln der nächsten Generationen von wesentlicher Bedeutung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bewertung von Wissen versus Fakenews.
Biologie fördert zudem das Verständnis des eigenen Körpers, der eigenen Gefühle und der Subjektivität des eigenen Denkens und damit auch Selbstakzeptanz und eine mögliche höhere Gesundheit auch noch in späteren Lebensabschnitten sowie auch Toleranz und Akzeptanz von Menschen, die anders sind als man selbst.
Das tiefere Verständnis epigenetischer Konsequenzen des eigenen Verhaltens sowie ein Verständnis der Mikrobioologie in uns könnten wesentlich zu einer gesünderen Lebensweise führen, die uns sogar alle Steuergelder einsparen könnte. Die SuS zeigen sich bei diesen Themen in der KS sehr interessiert - allein Ernährung in der Mittelstufe hat nicht ansatzweise denselben Effekt. Doch zu derlei relevanten Themen haben wir kaum Zeit, oder sie sind erst gar nicht im Bildungsplan vorhanden. Seit dem Bildungsplan 2016* ist die Biologie dennoch so unfassbar vollgestopft mit Themen, dass die wirklich gesellschaftsrelevanten Teile zu schnell abgehandelt werden müssen. Ganz allgemein haben wir eine Stofffülle zu bewältigen, die ich von keinem anderen Fach kenne. Bereits jetzt ist es so, dass wir durch die Einstündigkeit im Vorfeld sowie die nur zwei Jahre andauernde Kursstufe kaum in der Lage sind, den Stoff überhaupt durchzubringen, und gleichzeitig die sonstigen Kompetenzansprüche bzgl. Experimentieren, Bewerten etc. (die ich an sich für sehr wertvoll, aber eben auch zeitintensiv halte) zu erfüllen. Ich hatte mir daher vom neuen Bildungsplan wie angekündigt eine Stärkung der Biologie und damit auch eine Entzerrung dieser extremen Fülle erhofft. Die jetzigen Pläne widersprechen dem jedoch deutlich.
Auch weitere Themen wie die Gentechnik und CRISPR/ Cas9, Stammzellen, Antibiotikaresistenzen, etcpp. sind von größter Relevanz. Nur wer die Methoden etc. kennt, kann Chancen und Risiken faktenbasiert einschätzen und entsprechend wählen und handeln.
Biologie ist so vielfältig gesellschaftsrelevant, dass eine durchgängige Einstündigkeit im starken Gegensatz zur geforderten Bildung in nachhaltiger Entwicklung steht. Selbst „Vollblutbiologen“ verlieren längst die Lust an ihrem Fach, da die Schüler überfordert sind und die Themen nur noch im Schnelldurchlauf besprochen und die geforderten Kompetenzen zu wenig geübt werden können. Die erneute Abwertung - und das auch noch mit der Behauptung des Gegenteils! - deprimiert. Ich hoffe, dass die Biologie nach einer Überarbeitung des Bildungsplanes wirklich gestärkt wird.
Was ich mir zudem wünschen würde, wäre ein sorgfältig durchdachter Bildungsplan, der sich ausnahmsweise mal nicht innerhalb weniger Jahre wieder erübrigt hat - vor drei Jahren mussten wir in der Kursstufe alles neu planen, in der aktuellen KS muss seit einem Jahr wiederum sehr vieles neu gestaltet werden. Nun kommt direkt die nächste sehr große Änderung. Wenn diese nicht hauptsächlich schnell gestrickt wird, sondern wirklich durchdacht ist - gerne! Aber bitte nicht so. Zeit und Geld würden sich an dieser Stelle sehr rentieren.
G9
Meine Tochter fällt leider nicht mehr unter die neue G9-Regelung. Ich fände es toll wenn diese auch auf die älteren Jahrgänge ausgeweitet werden könnte! Von dem was ich aus höheren Jahrgängen höre sind die Aussichten mit G8 nicht so schön. Die Nachbarstochter hat nach der 10ten sogar das Gymnasium gewechselt auf G9 und 1,5 Stunden Fahrt mit Bus und Bahn auf sich genommen, eine befreundete Familie nutzt deswegen ein (kostenpflichtiges) privates Gymnasium.
Des Weiteren sollten keine großen neuen Inhalte dem Lehrplan zugefügt werden, sonst geht das ganze ja am Ziel vorbei die Schüler zu entlasten! Der Lehrplan sollte auf ein Jahr mehr verteilt werden, es muss kein neuer Lehrplan ausgearbeitet werden. Als Vorlage könnte man das der privaten Schulen nehmen, der wäre fertig und praktisch erprobt.
Der eingereichte Antrag der Eltern für G9 wird hier leider nicht beachtet, sehr schade.
Kunst, Musik und Sport stärken
Bildende Kunst und Musik sind die Fächer am Gymnasium, in denen die Schülerinnen und Schüler sich als selbsttätig und kreativ gestaltend erleben können. Sport ist dasjenige Fach, in dem die körperlichen Bedürfnisse, sich zu bewegen und zu lernen dies in konzentrierter Weise zu tun, angesprochen werden, was im übrigen Unterricht notorisch zu kurz kommt.
Die Schüler, insbesondere in der Unterstufe lieben das Fach Bildende Kunst, was zeigt, dass sie sich hier auch mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen sehen, wie in keinem anderen Fach. Zudem wird Kreativität in allen modernen Bildungskonzeptionen als zentrale Kompetenz, die es zu fördern gilt, benannt. Der Kunstunterricht bietet hier mehr Möglichkeiten als jedes andere Fach, diese Kompetenz zu fördern.
Von daher ist es unverständlich, dass gerade in diesem Bereich nun wieder gekürzt werden soll. Die Stundentafel aus G8 soll auf G9 gestreckt werden, der zweistündige Unterricht in Klasse 7 wäre Vergangenheit, das Fach kommt wiederum auf die Streckbank.
Dass es derzeit und schon seit langem zu wenig Lehrernachwuchs in Bildende Kunst gibt, mag hier zusätzlich eine Rolle spielen, aber auch hier handelt es sich um eine Misere, die seit Jahrzehnten absehbar war, aber nicht angegangen wurde. Ein Schulgesetz, in dem die Bildende Kunst weiter beschnitten wird, ist aus meiner Sicht dringend verbesserungsbedürftig.
Verdrängung der Fächer Kunst und Musik
Seit über 40 000 Jahren macht der Mensch Kunst, und nun meint Baden - Württemberg, den Musik- und Kunstunterricht auf eine Alibi-Stundenzahl marginalisieren zu müssen. BK und Musik in den Stufen 7,8,9,10 und 11 nur noch einstündig einzuplanen bedeutet eine Kultur systematisch auszutrocknen. Wie soll in einem Fach, das aus Üben und Tun besteht, mit dieser geringen Stundenzahl ein noch halbwegs befriedigendes Niveau erreicht werden?
Warum werden wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Kunst und Musik sowohl für die Bildung und Entwicklung des Einzelnen, als auch für dessen Lernerfolge in anderen Fächern einfach ignoriert?
Vergessen ist der ganzheitliche humanistische Bildungsbegriff, komplett ignoriert werden die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler, die sich nach einer vielseitigen (auch praktischen) Bildung sehnen.
Kreativität, Thesenbildung, Vorstellung, Erfindung und Realisierung gehen Hand in Hand und werden in einem Wechselspiel von theoretischen und praktischen Zusammenhängen nachhaltig ertragreich. Die Gleichung "wo ich viel Theorie reinstopfe kommt auch viel Theorie raus" geht leider nicht auf, der Schaden an den Heranwachsenden sollte nicht übersehen werden.
Zweite und dritte Fremdsprache - Bitte Einstieg in 7 bzw. 9 und entsprechend angepasste Stundentafel
Fremdsprachen öffnen Welten... man lernt nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Kultur.
Die geplante Stundenverteilung für die zweite Fremdsprache sehe ich sehr kritisch, ebenso den Einstieg in Klasse 6.
Ich unterrichte Englisch, Französisch und Deutsch an einem Gymnasium.
Mit G9 besteht die Möglichkeit, die zweite Fremdsprache in Klasse 7 beginnen zu lassen. Dies halte ich für sehr sinnvoll, da die Schüler dann erst einmal zwei Jahre lang intensiv in Englisch eintauchen können und sich die englischen Strukturen festigen können... übrigens ist ab Klasse 7 dann auch die deutsche Rechtschreibung besser gefestigt.
Mit einem Einstieg in Klasse 7 ist es möglich, in Klasse 7 und 8 (Anfangsunterricht) mehr Stunden für die zweite Fremdsprache zu haben (z.B. Klasse 7: 5 Stunden, Klasse 8: 4 Stunden). Das ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung in den ersten beiden Lernjahren, in denen die wichtigsten Grundlagen gelegt werden. Ich halte dies für absolut wichtig. In unserem Nachbarland Frankreich liegt für die Fremdsprache Deutsch über die Jahre eine ähnliche Stundenverteilung vor, wie die aktuell von oben angedachte (3 Wochenstunden ab Klasse 6). Die "Degradierung" zu einem gefühlten Nebenfach, so wie in Frankreich, ist schlecht. Das fällt uns zumindest bei jedem Austausch auf, wo wir von dem schwachen Sprachniveau der Franzosen immer ein bisschen schockiert sind.
Ähnlich verhält es sich mit den 3. Fremdsprache. Hier würde ich den Beginn auch in Klasse 9 statt 8 legen, dafür aber 4 Wochenstunden einplanen. Die intensive Auseinandersetzung mit der Sprache ist wichtig. Bei 3 Stunden kann man das Pech haben, dass in eine Doppelstunde und eine Einzelstunde aufgeteilt wird. Wenn die Doppelstunde dann noch ungünstig liegt (Feiertage, etc.), dann sieht es ganz schnell ganz mau aus. Außerdem haben die SchülerInnen dann wieder die Möglichkeit, dass sich die zweite Fremdsprache mit ihren Strukturen erst einmal festigt.
Deshalb mein dringender Aufruf: Beginn der 2. Fremdsprache in Klasse 7, der 3. Fremdsprache in Klasse 9.
Einige Beiträge sprechen von der "Nutzlosigkeit" der zweiten / dritten Fremdsprache. Wozu Französisch / Spanisch / Italienisch lernen?
Die zweiten / dritten Fremdsprachen sind im Regelfall andere europäische Sprachen. Europa ist wichtig in der globalisierten Welt und auch ein Zugang zu diesen europäischen Ländern. Einen echten Zugang zu einem Land, dessen Kultur und den Menschen, die dort leben, erhält man nur durch die Kenntnis der Sprache. DeGaulle und Adenauer wussten das. Schade, dass einige das schon wieder vergessen... Und wir lernen im Fremdsprachenunterricht auch nicht nur Sprache, sondern auch viel über die Gesellschaft, Kultur, Geschichte, Politik des jeweiligen Landes. Durch das Erlernen der Fremdsprache werden Brücken geschlagen, in Austauschen lebendig gemacht, Freundschaften entstehen. Das Erlernen einer weiteren Fremdsprache als "nutzlos" zu bezeichnen, halte ich deshalb für sehr fahrlässig.
2. Fremdsprache in G9
Ich würde die Einführung der zweiten Fremdsprache in der 7. Klasse befürworten. Dies würde den Klassen ermöglichen, zunächst in der 1. Fremdsprache ein solides Fundament zuschaffen. Aktuell zeigt sich, dass mit dem Beginn der zweiten Fremdsprache bereits in Klasse 6 viele SchülerInnen überfordert sind.
Ich sehe zudem die Pläne, die 2. Fremdsprache durchgängig mit nur 3 Wochenstunde zu unterrichten, kritisch. gerade in den ersten Jahren ist es meiner Meinung nach wichtig, so viel Zeit wie möglich der neuen Sprache zu widmen. Würde man den Beginn der zweiten Fremdsprache nach hinten schieben, könnten so die drei Schulstunden, die für Klasse 6 vorgesehen sind, auf die kommenden 3 Jahre verteilt werden.
Änderung des Schulgesetzes
Bildungs - und Entwicklungsfeld Sprache
Sprache ist der Schlüssel zur Welt - nicht erst seit dem Bundesprogramm "SprachKitas".
Schön, dass diesem Umstand nun mit der nötigen gesetzlichen Verbindlichkeit Rechnung getragen wird.
Für die Umsetzbarkeit im Bereich der Elementarpädagogik wäre hierfür eine "echte" Verbindlichkeit und gesetzliche Verankerung des Orientierungsplanes richtig gewesen, denn hier steht schon alles, was es für die Kitas umzusetzen gilt.
Mit einer verlässlichen und rechtlich verbindlichen Implementierung des "neuen" OP hätte hier eine runde und gute Sache entstehen können, die umsetzbar und hervorragend durch die Fachberatungen vor Ort multiplizierbar gewesen wäre.
Auf Grund der Kommunikation des Ministeriums wird derzeit nicht dazu beigetragen, bei Schul - und Einrichtungsträgern, Fachkräften und Lehrpersonal Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen und deren Umsetzung im päd. Alltag zu schaffen.
Das Online - Angebot für päd. Fachkräfte / Einrichtungen zum Thema "Beobachtungsverfahren" gleicht bisher eher einer Online - Verkaufsveranstaltung für (durch die mediale Kommunikation des KUMI) verunsicherte Fachkräfte.
Eine Hilfestellung erfahren die päd. Fachkräfte für Ihren Alltag nicht, sondern werden durch den Einsatz zusätzlicher "Sprach - Screening - Verfahren" weiter unter Druck gesetzt.
Leider können die zuständigen Fachberatungen hier nur wenig multiplikatorisch wirken, das scheint nicht vorgesehen.
Juniorklassen
Neben dem politischen Schlüsselthema "Sprache" gilt es, beim Thema
"gleiche Bildungschancen" auch einen Blick auf andere kindliche Entwicklungsbereiche zu riskieren - ohne deren Vorhandensein und/oder deren Förderung der (Zweit-) Spracherwerb nicht oder nur unter sehr erschwert möglich ist. Diese Tatsache scheint mit der Abschaffung der Grundschulförderklassen nicht genug berücksichtigt.
Unsere bisherigen Grundschulförderklassen sind ein wichtiges und absolut notwendiges Instrument, um Kinder kognitiv, sozial wie emotional auf einen gelingenden Schulstart und damit eine erfolgreiche und nachhaltige Bildungsbiografie vorzubereiten.
Qualitätsstandards und der Ausbau des Angebots wären für die Kinder und ihre Familien ein echter Zugewinn gewesen.
Sprachfördermaßnahmen
wichtig und richtig - zum Nulltarif gibt es an Kitas und Schulen derzeit bereits Inklusion, jetzt auch noch Sprachförderung - das wird nicht gelingen und nicht zu den gewünschten, messbaren Erfolgen führen.
Einführung G9
Ich begrüße die Wieder-Einführung von G9 in Baden-Württemberg sehr. Als besonders positiv empfinde ich dabei fogende Punkte:
1. Die Erhöhung der Stundenzahl in den Kernfächern und damit die Möglichkeit, wie der mehr Übungsphasen für die Schülerinnen und Schüler zu gestalten.
2. Die Tatsache, dass durch die Einführung von G9 die Nachmittage der Schülerinnen und Schüler entlastet werden, sie mehr Möglichkeiten für Arbeitsgemeinschaften in der Schule, mehr privaten Sport, Musikschule und/oder einfach persönliche Freizeitaktivitäten haben, was im G8 angesichts der Stundenbelastung (besonders in der Klassenstufe 8) immer schwerer geworden ist.
3. Die grundsätzliche Tatsache, dass wir den Kindern wieder mehr Zeit geben können, auch komplexere Sachverhalte zu durchdringen. Es muss berücksichtigt werden, dass für das Durchdringen mancher Sachverhalte nicht nur Auswendiglernen notwendig ist, sondern auch die geistige Reife entwickelt sein muss. Im G9 ist das einfach viel besser umsetzbar.
Mehr Pädagogik für mehr Schülerleistung und Lehrergesundheit
unser G8-Bildungssystem hat neben den von der Elterninitiative angemahnten Problematik des Bildungsplans und der Stundentafel bereits seit vielen Jahren auch andere Probleme, z.B.:
- abnehmende Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler (siehe PISA-Studien),
- die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus (siehe PISA-Studien und zuletzt Süddeutsche Zeitung, 15./16. Juni 2024 „Das Elternhaus entscheidet“, u.a.),
- zunehmende psychische Probleme der Kinder und Jugendlichen, darunter z.B. auch Einsamkeit, Belastungen durch Cybermobbing (siehe Interview mit Prof. Gerd Schulte-Körne, Jugendpsychiater, SZ, 7. Nov. 2023 „Wir haben den Eindruck, dass die Jugendlichen kränker geworden sind“, u.a.)
- die häufigen Erkrankungen der Lehrer, die u.a. zur Frühpensionierung führen und denen man mit verschiedenen Programmen zur Lehrergesundheit bereits seit langem entgegenzuwirken versucht,
- Lehrermangel.
Ich möchte gerne anregen, im Zuge der G9-Planung nicht nur den Bildungsplan und die Stundentafel zu ändern, sondern auch die Rahmenbedingungen schulischer Arbeit grundständig zu überdenken. Anstelle der pflasterartigen Symptombehandlung durch singuläre Programme gegen die oben genannten Probleme würde es meiner Ansicht nach effektiver und kostensparender sein, wenn wir die Rahmenbedingungen des Lehrens so setzten, dass mehr pädagogische Arbeit und mehr Zusammenarbeit der Schulen mit den Elternhäusern stattfinden kann.
Maßnahmen und Änderungen um dies zu erreichen könnten beispielsweise sein:
1) Anstelle der Klassenarbeiten werden häufige und regelmäßige Lernstands-erhebungen (in kleinem Umfang, z.B. nur über die vorhergehende Stunde oder auch nur die Hausaufgabe betreffend) durchgeführt. Die Ergebnisse werden den Elternhäusern und Klassenlehrern über eine schulinterne, datengeschützte Plattform z.B. vierteljährlich mitgeteilt, bei schlechteren Schülern in kürzeren Abständen. Dies wird zu einem besseren Monitoring des Lernprozesses anstelle des alleinigen Lernerfolgs führen.
2) Einmal jährlich, am besten am Schuljahresanfang, wird durch die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer verpflichtend mit jedem Elternhaus ein Gespräch geführt, in dem die Lernsituation (evtl. auch Familiensituation) besprochen und ggf. beraten wird. Bei problematischen Schülerinnen wird mindestens ein weiteres Gespräch angeboten.
3) Mehr gemeinschaftsstärkende Maßnahmen, Klassenfahrten, erlebnispädagogische Unternehmungen, diesbezügliche Schulungen und Fortbildungen.
4) Punkt 1) bis 3) würden einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand für das Lehrpersonal bedeuten. Man müsste daher die Aufgabenzuordnung des Lehrerdeputats anpassen, z.B. für Fachlehrer: 23 Deputatstunden für Unterricht, 2 für pädagogische Aufgaben, für Klassenlehrer: 21-22 Deputatsstunden für Unterricht, 3-4 für pädagogische Aufgaben.
Die hier eher skizzenhaft angedeuteten, beispielhaften Maßnahmen müssten natürlich in Zusammenarbeit mit Lernpsychologen, Pädagogen und Sozialpädagogen professionell ausgearbeitet werden.
Derartige Maßnahmen versprechen direkte Besserung der oben aufgelisteten Probleme, aber auch indirekt würden sie wirken, indem z.B. die Verantwortung des Lehrers für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler erhöht wird. Mehr Pädagogik würde auch die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler vertiefen, was ein wesentlicher Punkt zur Förderung der Lehrergesundheit ist (siehe Arbeiten von Prof. Joachim Bauer, Freiburg). Nicht zuletzt beinhalten derartige Veränderungen auch ein unschätzbares Motivationspotential für die Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer. Der Lehrerberuf wäre wieder attraktiver.
Wenn man bis zum Ende (Pensionskassen, Beihilfe und Krankenkassen) rechnet, würden sich die Zusatzkosten durch die Deputatverschiebung sicherlich relativieren.
Ich wünsche mir Mut zur Veränderung, im Sinne des Menschen, für unsere Jugend und deren Potential, das es auszuschöpfen gilt, für die Gesundheit unserer Schülerinnen, Schüler und des gesamten Lehrpersonals.
Vernetztes Denken für eine zukunftsfähige Welt: Geographie
Geographische Bildung ist unverzichtbar in Zeiten, in denen die Weltgemeinschaft vor Herausforderungen steht, deren Ausmaße so komplex und von globalem Ausmaß sind wie nie zuvor. Das Verständnis für die systemischen Zusammenhänge in unserer Welt, zwischen Mensch und Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft, Technik und Natur ist fundamental für die Menschen, die zukünftig in dieser und für diese Welt Entscheidungen treffen werden. Geographie lehrt wie keine andere Disziplin das vernetzte Denken, das für Herausforderungen wie den Klimawandel mit Folgen von Extremwetter bis Meeresspiegelanstieg, die Urbanisierung, Bevölkerungsentwicklung, multiple Ökosystemkrisen und Ressourcenknappheit unabdingbar ist. Um Lösungen zu entwickeln, müssen diese Herausforderungen in ihrem gesamten und verstrickten Ausmaß begriffen werden. Die schulgeographische Bildung ist ein wichtiger Motivationsfaktor für Karrieren sowohl in den naturwissenschaftlichen, computer-/KI Bereichen, als auch in wirtschafts-, sozial und gesellschaftlichen Bereichen, die sich dieser Zukunftsgestaltung annehmen.
In einer mehr und mehr spezialisierten Welt brauchen wir dringend Menschen, die über den Tellerrand hinausblicken können. Geographie bietet jungen Menschen diese Perspektive und befähigt sie, die physischen, sozialen und wirtschaftlichen Komplexitäten unserer Welt zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. Das Fach ist ein essenzieller Bestandteil einer umfassenden Bildung und trägt maßgeblich zur Entwicklung mündiger, handlungsfähiger Bürger:innen bei.