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Kinder

Kindertagesbetreuungs­gesetz

Das Gesetz über die Betreuung und Förderung von Kindern in Kindergärten, anderen Tageseinrichtungen und der Kindertagespflege (Kindertagesbetreuungsgesetz – KiTaG) soll geändert werden.

Mit einem neuen § 11 KiTaG soll den Trägern die Möglichkeit eingeräumt werden, in begründeten Fällen auf Antrag von den Normierungen des KiTaG und der Kindertagesstättenverordnung (KiTaVO) abzuweichen (sogenannter „Erprobungsparagraf“). Ziel ist es, einen weiten, aber rechtssicheren Rahmen unter Beteiligung der Akteure vor Ort zu eröffnen, damit neue Konzepte entwickelt und erprobt werden können. Will der Träger das erprobte Modell im Anschluss an die Erprobung fortsetzen, ist die Wirksamkeit der Maßnahme nachzuweisen.

Zugleich soll § 2 Absatz 2 KiTaG an die bundesgesetzliche Norm angeglichen werden. Der Passus „Kinder, die auf Grund ihrer Behinderung einer zusätzlichen Betreuung bedürfen, sollen zusammen mit Kindern ohne Behinderung in Gruppen gemeinsam gefördert werden, sofern der Hilfebedarf dies zulässt“ ist abzuändern in die Formulierung: „Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne Behinderungen sollen gemeinsam gefördert werden. Die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen und von Kindern, die von Behinderung bedroht sind, sind zu berücksichtigen.“

Weiter soll eine Ergänzung im Fachkräftekatalog (§ 7 KiTaG) erfolgen. Die Kinderpflegeausbildung wurde weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Berufsbezeichnung geändert. Die Absolventinnen und Absolventen der weiterentwickelten Ausbildung sind berechtigt, die Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte sozialpädagogische Assistentin und staatlich anerkannter sozialpädagogischer Assistent“ zu führen.

Kommentare : zum Kindertagesbetreuungsgesetz

Die Kommentierungsphase ist beendet. Vielen Dank für Ihre Kommentare!

44. Kommentar von :ohne Name 58048

Zukunft von Kindern und Pädagogischen Fachkräften, Kindertageseinrichtungen und Trägerstruktur

Fragen an die Verantwortlichen in Kultusverwaltung, Trägerverbänden, Kommunen und freien Trägern, I. Angesichts der vorgelegten und hier zu diskutierenden Ansätze wären grundsätzliche Fragen zu beantworten: 1. Wie stellen wir uns die Zukunft der heutigen Kinder und ihrer Pädagogischen Fachkräfte sowie ihrer Einrichtungen vor? Wie im Jahr

Fragen an die Verantwortlichen in Kultusverwaltung, Trägerverbänden, Kommunen und freien Trägern,

I.
Angesichts der vorgelegten und hier zu diskutierenden Ansätze wären grundsätzliche Fragen zu beantworten:

1. Wie stellen wir uns die Zukunft der heutigen Kinder und ihrer Pädagogischen Fachkräfte sowie ihrer Einrichtungen vor? Wie im Jahr 2030, 2040?

2. Welches Vertrauen sollen Eltern/Personensorgeberechtigte in die Verwirklichung von pädagogischen, im Sinne der Kinder berechtigten Anforderungen haben?
- Die mit viel Herzblut erarbeiteten und veröffentlichten, pädagogisch fundierten und wohlklingenden Konzeptionen der jeweiligen Einrichtung werden zur Farce, wenn diese mit wechselndem oder unzureichend qualifiziertem Personal zu führen sein werden.

3. Welche Signale sendet das Papier an die Pädagogischen Fachkräfte, die Leitungen und Träger der Kindertagesstätten für ihre alltägliche Arbeit und für ihre aktuelle Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern sowie ihre langfristigen Entscheidungen?

- Wichtig wären derzeit Impulse der Motivation und Wertschätzung in Verbindung mit einer hoffnungsvollen Zukunftsvision.
- Freie Träge sind nicht verpflichtet, ihre Einrichtungen weiterzuführen - ebenso wenig Pädagogische Fachkräfte und ihre Leitungen ihre Arbeitsverhältnisse. Die in der Gesetzesvorlage erwähnte Kostenneutralität entpuppt sich schnell als Bumerang.

II.
a) Zustimmung:
1. Einer Öffnung für Pädagogisches Personal ist zuzustimmen, vorausgesetzt, dieses hat sich qualifiziert oder qualifiziert sich gründlich und auch systematisch weiter neben dem praktischen und kompetent angeleiteten Lernen in der Pädagogischen Praxis. Hierbei ist insbesondere an bewährte Personen mit kürzerer pädagogischer Ausbildung zu denken (Heilerziehungshelfer/in); auch Teilzeitmodelle sind zu erproben.
- Das Landesjugendamt wäre zu befähigen, generelle Lösungen zur Anrechnung auf den Mindestpersonalschlüssel zu erlassen; auch hier wäre der bundesweite Blick hilfreich. So wäre zu verhindern, dass ein Flickenteppich entsteht. Oder würde man gleichermaßen im Polizei- und Arztberuf oder bei Juristen verfahren?

2. Einzig die Umbenennung des Berufsbilds in "staatlich anerkannte sozialpädagogische Assistentin/staatlich anerkannter sozialpädagogischer Assistent" überzeugt, da es nicht zur Verschärfung der Aufwachsensbedingungen von kleinen Kindern beiträgt.

b) Ablehnung:
1. Dass das Bundesgesetz Vorrang hat - das hatte es übrigens schon länger - ist kein überzeugendes Argument.
Ohne entsprechende, gesetzlich gesicherte zusätzliche personelle Ressourcen durch kompetentes Personal und die Beibehaltung von zwei Betreuungsplätzen für ein Kind mit Integrationsbedarf lassen sich Kindergartengruppen mit 25 Kinder nicht führen.

Vorschlag: Den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung empfehle ich eine Woche Mitarbeit in einer Kindergartengruppe mit einem oder mehreren Kindern mit sehr hohem Hilfebedarf ohne zusätzliche personelle Ressourcen.

2. Der Staat darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen, indem man Aufgaben delegiert (überträgt), die die Vergleichbarkeit der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit in einer Kommune oder Region gefährden statt dies zu gewährleisten.

Vorschlag: Die erarbeiteten Vorschläge der Trägerverbände wären zu berücksichtigen hinsichtlich Ressourcen für Kinder mit besonderem Förder-/Hilfebedarf und die Erweiterung des Fachkräftekatalogs mit der begleitenden Qualifizierung.

43. Kommentar von :ohne Name 57946

Richtige Reaktion auf die aktuelle Situation

Wenn man sich die aktuelle Situation in vielen Städten und Gemeinden ansieht, ist die Lockerung der gesetzlichen Vorgaben die einzige Möglichkeit weiterhin ausreichend Personal in den Kindertagesstätten sicherzustellen, weshalb wir den Gesetzesentwurf befürworten. Ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist, darüber lässt sich diskutieren. Fakt ist,

Wenn man sich die aktuelle Situation in vielen Städten und Gemeinden ansieht, ist die Lockerung der gesetzlichen Vorgaben die einzige Möglichkeit weiterhin ausreichend Personal in den Kindertagesstätten sicherzustellen, weshalb wir den Gesetzesentwurf befürworten. Ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist, darüber lässt sich diskutieren. Fakt ist, dass nicht ausreichend Fachkräfte für den angebotenen Betreuungsumfang zur Verfügung stehen. Wenn das Ziel sein soll (auch darüber lässt sich diskutieren) wirklich jedem Kind ab einem Jahr einen Betreuungsplatz anbieten zu können, dann ist es notwendig die gesetzlichen Vorgaben zu lockern, auch wenn sich das eventuell auf die Qualität der Betreuung auswirken wird. Momentan verschiebt sich das Personalproblem nur von einem Ort zum nächsten, ohne dass das Problem langfristig gelöst wird.

42. Kommentar von :ohne Name 57931

Wohin soll das führen ?

Ich wage zu behaupten, dass wir pädagogische Fachkräfte unseren Beruf mit Idealismus und aus Berufung heraus gewählt haben. Die politische Wertschätzung, die Bezahlung und die überzeugenden Arbeitsbedingungen können es ja nicht gewesen sein. Wir möchten Kinder in ihrem Werden begleiten, ihnen Rechte und Schutz gewähren, ihnen Raum geben sich

Ich wage zu behaupten, dass wir pädagogische Fachkräfte unseren Beruf mit Idealismus und aus Berufung heraus gewählt haben. Die politische Wertschätzung, die Bezahlung und die überzeugenden Arbeitsbedingungen können es ja nicht gewesen sein.

Wir möchten Kinder in ihrem Werden begleiten, ihnen Rechte und Schutz gewähren, ihnen Raum geben sich auszuprobieren, sich zu finden, sich zu festigen. Wir möchten Kinder fördern und bilden. Wir möchten mit ihnen achtsam, klar und lebenspraktisch Gemeinschaft leben, sie auf ein Leben in einer sich gesellschaftlich stetig verändernden Welt vorbereiten.

Das Ziel ?
Der Zukunft Menschen
mit einer gesunden Seele, Empathie und Sinn für den Wert der Gemeinschaft, mit guter Bildung und Wertschätzung für sein Umfeld
zu schenken.

Dafür braucht es...
...politische und gesellschaftliche Wertschätzung,
...genügend gut ausgebildetes Personal, welches auch nach Jahren noch Liebe, Kraft und Motivation verspürt seiner Berufung nachzugehen,
...fest verankerte Unterstützung durch ausreichend Verfügungszeit zur Vor- und Nachbereitung, Fallbesprechungen, Elternbegleitung, Kooperationen mit Fachdiensten etc.
..regelmäßige fest verankerte Unterstützung durch Heilpädagogische Dienste und Supervision im Team

Was braucht es nicht ?
einen Erprobungsparagraphen !

Liebe Verantwortlichen,
ihr seid im Begriff die Kinderrechte mit Füßen zu treten.
Gerne verweise ich auf eine Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in der die VN-Kinderrechtskonvention einsehbar ist.

deshttps://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/uebereinkommen-ueber-die-rechte-des-kindes-86530
(§ 28 und 29)

Schaut in den Spiegel und fragt Euch: Wer bin ich ? Wo komme ich her ?
Was habe ich als Kind/Jugendlicher an Unterstützung erfahren ? Was habe ich vermisst ?
Was sind Euch die Kinder heute und in Zukunft wert ?
Dann entscheidet...

41. Kommentar von :ohne Name 57919

Erprobungsparagraph

Der Erprobungsparagraf soll nun das „Allheil-Mittel“ für den lange vorhergesagten Fachkräftemangel sein. Das wird er aber nicht; vielleicht für die Kommunen und die Wirtschaft, nicht aber für die pädagogischen Fachkräfte und erst recht nicht für die Kinder. Werden die Bedürfnisse, die Grenzen der Kinder dabei überhaupt bedacht? Sind die Kinder

Der Erprobungsparagraf soll nun das „Allheil-Mittel“ für den lange vorhergesagten Fachkräftemangel sein. Das wird er aber nicht; vielleicht für die Kommunen und die Wirtschaft, nicht aber für die pädagogischen Fachkräfte und erst recht nicht für die Kinder.

Werden die Bedürfnisse, die Grenzen der Kinder dabei überhaupt bedacht? Sind die Kinder es nicht wert, dass schützende Normen für ihr Aufwachsen festgelegt und eingehalten werden? Können wir es uns wirklich leisten, diese „auszuhebeln“. Zeigen denn nicht die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten VERA 3, dass wir bereits auf dem falschen Weg sind?

„Fremdbetreuung entspricht der menschlichen Natur, der Betreuungsschlüssel vieler Einrichtungen jedoch nicht!“ Das Stress-Level bei den Kindern steigt, entsprechen die Rahmenbedingungen nicht ihren Bedürfnissen. Bei Stress kann man nicht lernen, ist man angespannt und dünnhäutig.
"Wenn Kinder in schlechten Betreuungssettings sind, weil zu wenig Personal da ist, dann gefährden wir ihre Entwicklung - etwa in sprachlicher, motorischer oder emotionaler Hinsicht", so Annette Stein von der Bertelsmann-Stiftung. "Egal wie gut eine Fachkraft ausgebildet ist: wenn sie sich um zu viele Kinder kümmern muss, kann sie maximal eine Betreuung gewährleisten." Von frühkindlicher Bildung könne dann keine Rede mehr sein.

Die Fachkräfte haben diesen so wichtigen Beruf gewählt, weil sie Entwicklungen gestalten und fördern möchten, Bildung ermöglichen, den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen wollen. Die Fachkräfte schaffen mit ihrer Arbeit eine Basis für die zukünftige Gesellschaft des Landes. Ich sage betont, für die Gesellschaft, nicht nur für einen Wirtschaftsstandort.
Die frühkindliche Erziehung, Bildung und Betreuung ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Eine Anerkennung sowie eine transparente Darstellung in der Öffentlichkeit, welch fachlich anspruchsvolle Arbeit in den Kindertagesstätten täglich geleistet wird, welch hohe Verantwortung und Professionalität bei den Fachkräften vorliegt, wäre wünschenswert. In den Kitas wird eben nicht nur Aufsicht gewährleistet, sondern den Kindern Basis-Kompetenzen für ihr Leben vermittelt und Bildung gefördert.

Für diejenigen Menschen, die eventuell nicht wissen, was dies u. a. bedeutet:
Die Fachkräfte müssen differenziert und sensibel beobachten und zuhören; im Dialog mit dem Kind herauszufinden, welche Fragen es beschäftigen; seine Möglichkeiten, sich mit den Themen der Welt auseinander zu setzen, erweitern. Demokratische Teilhabe bzw. Partizipation den Kindern ermöglichen, Kindern mit Migrationshintergrund und Kinder mit Behinderung integrieren, Kindern mit Entwicklungsrisiken und Verhaltensauffälligkeiten unterstützen, sie beobachten und die Ergebnisse dokumentieren und auswerten, Angebote entsprechend gestalten; einen guten Übergang in die Schule ermöglichen; die Zusammenarbeit mit allen Eltern förderlich gestalten sowie Beratungsarbeit leisten. Die Fachkräfte müssen „am Ball bleiben“, sich auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen einstellen, sich fortbilden und ihre Organisation weiterentwickeln.

Das ist bereits bei den derzeitigen Rahmenbedingungen herausfordernd. Diese nun noch zu verschlechtern und dabei der Meinung zu sein, die Kinder könnten davon dennoch profitieren, ist schlichtweg Augenwischerei.

Auch bzgl. den Fachkräften zeigt der „Erprobungsparagraph“ keinerlei Wertschätzung. Arbeitsbedingungen dürfen nicht zweitrangig werden, damit möglichst viele Kinder betreut werden können. Der Beruf muss noch Freude machen und Sinn geben, die Pädagogischen Fachkräfte müssen wieder gestärkt und motiviert werden für diesen so wichtigen Beruf.
Wir wissen alle: Was den Kindern früh an guten Investitionen zugutekommt, wird sich in der Zukunft als soziale und wirtschaftliche Rendite einfinden.
Es braucht verbesserte Rahmenbedingungen in den Kindertageseinrichtungen. Z.B. mehr Fachkräfte in den Einrichtungen einsetzen, wo besondere Bedarfe der Kinder vorliegen, die ausgeglichen werden müssen.

Anstatt ständig Projekte zu pädagogischen Themen extra zu finanzieren, sollte das Geld dafür in die Einrichtungen gegeben werden. Sprachförder- oder Inklusions-Fachkräfte arbeiten in der Gruppe dann selbstverständlich mit und könnten angerechnet werden.

Hochschulabsolventen müssen als solche entlohnt werden. Dann werden die Pädagog*innen mit akademischem Abschluss auch wirklich zu einem hohen Prozentsatz im Kitabetrieb ankommen, was bisher nicht der Fall ist. (Aber auch hier gilt: Mit reiner Betreuungsarbeit werden diese nicht zufrieden sein.)

Und - nicht nur zum „Erprobungsparagraphen“ sollte Beteiligung ermöglicht werden. Die Politik sollte alle Akteursgruppen aus dem frühkindlichen Bereich vor Entscheidungen hören. Elternverbände, Gewerkschaft, Wissenschaft, Fachberatungen, Träger, Fachkräfte und Leitungen verfügen über wichtiges Praxiswissen, mit dem Zukunft gestaltet werden kann.

40. Kommentar von :ohne Name 57112

Änderung KiTaG

Sehr geehrte Damen und Herren, die Notwendigkeit, Fachpersonal für die Kindertageseinrichtungen zu gewinnen, besteht zweifelsfrei. Leider muss ich jedoch anmerken, dass Ihre Pläne nicht in die richtige Richtung gehen - das Modell Inklusion ist aufgrund der mehr als unzureichenden Rahmenbedingungen in den Kitas nicht umsetzbar. Es fehlt das im

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Notwendigkeit, Fachpersonal für die Kindertageseinrichtungen zu gewinnen, besteht zweifelsfrei.
Leider muss ich jedoch anmerken, dass Ihre Pläne nicht in die richtige Richtung gehen
- das Modell Inklusion ist aufgrund der mehr als unzureichenden Rahmenbedingungen in den Kitas nicht umsetzbar. Es fehlt das im Umgang mit Kindern mit besonderem Förderbedarf geschultes Personal, oftmals lehnen die Kommunen ab, dass ein Kind mit Behinderung zwei bis drei Plätze belegt/der Personalschlüssel ist schon im normalen Alltag ohne Inklusion nicht ausreichend, die Kinder können nicht angemessen und bedarfsgerecht gefördert werden. Hinzu kommt eine hohe Anzahl nicht-sprachlicher Kinder, die nicht einmal die geringsten Alltagsbegriffe kennen. Die Zahl der Kinder mit herausforderndem Verhalten ist signifikant gestiegen.
Die geplanten Lockerungen des KiTaG werden dazu führen, dass immer mehr erfahren pädagogische Fachkräfte in andere Berufe/ Tätigkeiten abwandern.
Als Fachberatung bin ich im ständigen Kontakt zu über 250 Erzieherinnen und ich erlebe eine hohe Frustration und das Gefühl, von Politik völlig alleine gelassen zu werden.
Immer höhere Forderungen werden gestellt (Umsetzung Orientierungsplan, Erarbeitung und Umsetzung Schutzkonzept, Qualitätsmanagement, Dokumentation, hoher Beratungsbedarf der Eltern, Medienkompetenz, Inklusives Arbeiten, Sprachförderung....)
Was die Einrichtungen dringend benötigten wäre genau das Gegenteil Ihrer Pläne:
- mehr qualifiziertes Personal in den Einrichtungen
- Reduzierung der Gruppenstärke
- Kinder mit herausforderndem Verhalten sowie Kinder mit
Handicaps belegen verbindlich zwei bis drei Plätze
- Kulturdolmetscher
- multiprofessionelle Teams (hier gibt es schon gute Ansätze, oftmals
scheitet dies aber an der Anerkennung/Einstufung im TVöD
Meiner Einschätzung nach steht das System kurz vor dem Kollaps. Wir erleben in der Praxis die Reduzierung von Öffnungszeiten, Gruppenschließungen, Abwanderung von pädagogischen Fachkräften in andere Berufe sowie eine hohe Unzufriedenheit in den Einrichtungen.
Gut finde ich, Menschen zu gewinnen, die über einen kürzeren Ausbildungsweg in die Kitas kommen. Es muss aber auch klar sein, dass diese das Niveau in den Einrichtungen nicht heben werden. Nicht ohne Grund umfasst die Ausbildung zu Erzieherin 4 Jahre der intensiven Schulung.
Wann wird es der Politik endlich klar, dass im frühkindlichen Alter die Grundlagen für das gesamte spätere Leben gelegt werden.
Positive Bildungsbiographien sind die beste Prävention und werden im Nachgang Kosten in der Jugendhilfe einsparen.
Ich verfüge über die berufliche Erfahrung nicht nur im frühkindlichen Bereich, sondern war lange Jahre in der Jugend- und Straffälligenhilfe tätig. Vieles hätte bereits im Kindergartenalter aufgefangen werden müssen, um manche "Karriere" zu verhindern.
Mit freundlichen Grüßen
Mareike Busch,
Sozialpädagogin
Fachberatung für die evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenbezirk Tuttlingen


39. Kommentar von :ohne Name 55723

Die Folgen werden spürbar

Heute hatte ich ein Gespräch mit einer einstmals sehr engagierten, gut ausgebildeten und laufend fortgebildeten Erzieherin. Sie hat kürzlich ihren Arbeitsplatz gewechselt. Sie erzählte das in ihrer neuen Einrichtung alle auf dem aktuellen Stand sind(ironiemodusan) Sie erzählte das in ihrer (Krippen)Gruppe drei Kräfte tätig sind.sie selber-seit

Heute hatte ich ein Gespräch mit einer einstmals sehr engagierten, gut ausgebildeten und laufend fortgebildeten Erzieherin.
Sie hat kürzlich ihren Arbeitsplatz gewechselt.
Sie erzählte das in ihrer neuen Einrichtung alle auf dem aktuellen Stand sind(ironiemodusan)
Sie erzählte das in ihrer (Krippen)Gruppe drei Kräfte tätig sind.sie selber-seit Mitte August neu in der Einrichtung-, eine fachfremde, die z.z. den Hauruckkurs macht zur Fachkraft nach §7 soundso und eine fremdsprachige Erzieherin, die nur gebrochen deutsch spricht.
Eingewöhnungen (Krippe!) Laufen so ab, das Trennungen schon am 2. Tag stattfinden. Beim Mittagessen MUSS mind. probiert werden, sonst gibt es kein Nachtisch. Rausgehen gibt es im Winter gar nicht(wurde ihr mitgeteilt) , weil es dann zu kalt sei. Kreativität findet nach Schablone am Tisch statt. Überhaupt müssen die Kinder stundenlang sitzen. Sie ist entsetzt, sagte aber auch gleich:" was kann man erwarten, von Fachfremden, oder Kräften mit denen man mangels Sprachverständnis kaum Erziehungskonzepte entwickeln kann."
Wie ich sie kenne, wird sie eine Zeit lang versuchen für die Kinder etwas zu erreichen. Klappt das nicht oder zu wenig, wird sie gehen.
Soviel zu den ach so tollen Plänen......

38. Kommentar von :ohne Name 56593

Kinderbetreungsgesetz

Es wird verzweifelt nach Lösungen gesucht, jedoch werden die bisherigen Vorschläge und Entwürfe die Lage kaum entspannen und die Situation von Kindern, Familien, Trägern … immer schwieriger machen. Größere Gruppen, weniger Personal, noch weniger Fachpersonal und dann werden noch fehlende Fachkräfte durch Nichtfachkräfte besetzt. Das bedeutet

Es wird verzweifelt nach Lösungen gesucht, jedoch werden die bisherigen Vorschläge und Entwürfe die Lage kaum entspannen und die Situation von Kindern, Familien, Trägern … immer schwieriger machen.

Größere Gruppen, weniger Personal, noch weniger Fachpersonal und dann werden noch fehlende Fachkräfte durch Nichtfachkräfte besetzt. Das bedeutet für eine Fachkraft, die mit Quereinsteigern arbeitet eine sehr große Belastung, da die gesamte Verantwortung und Bürokratie wie Entwicklungsbogen, Kooperationen, Planung von Bildungseinheiten u. v. m. bei der Fachkraft liegt.
Welche Erzieher/in, die ihren Beruf von Herzen gerne ausübt, für die Kinder da sein möchte, sie in ihrer Persönlichkeit schätzen und stärken möchte, möchte ihren Beruf unter diesen Bedingungen weiterhin ausüben?
Welche/r Auszubildende, der während seiner Ausbildung dieses Berufsbild kennenlernt, möchte in Zukunft diesen Beruf ausüben?

Meiner Meinung wäre die Lösung, endlich Geld in die Hand zu nehmen und jede Gruppe mit 3 Fachkräften auszustatten ( zwei in der Randzeit und drei in der Kernzeit). So könnten die Aufgaben und Verantwortungen verteilt werden, es könnte wieder jedes Kind individuell gesehen und gefördert werden und in Krankheitsfällen wären dann immer noch zwei Fachkräfte anwesend.
Wenn ein/e Auszubildende/r in einer solchen Struktur den Beruf erlernen darf, wird das Berufsbild automatisch attraktiver und außerdem wären die Fachkräfte nicht so überfordert und könnten weiterhin ihren Beruf vom Herzen heraus weiterführen.
So könnte vielleicht auch manche abgewanderte Erzieher/in wieder zurück gewonnen werden können.

37. Kommentar von :ohne Name 56152

Erprobungsparagraf

"Was der Mensch sät, das wird er ernten!" Dieses Bibelzitat fiel mir sofort ein, als ich den sogenannten Erprobungsparagrafen las. Wenn immer mehr Nicht-Fachkräfte immer mehr Kinder betreuen, wer soll dann noch bilden und erziehen? Wie wird "Betreuen" dann aussehen? Erziehen ist eine große Aufgabe, der Eltern aus verschiedenen Gründen

"Was der Mensch sät, das wird er ernten!"

Dieses Bibelzitat fiel mir sofort ein, als ich den sogenannten
Erprobungsparagrafen las.

Wenn immer mehr Nicht-Fachkräfte immer mehr Kinder betreuen, wer soll
dann noch bilden und erziehen?
Wie wird "Betreuen" dann aussehen?
Erziehen ist eine große Aufgabe, der Eltern aus verschiedenen Gründen
oft nicht mehr nachkommen können.
Die Gründe dafür sind vielfältig und nachvollziehbar:
es fehlt die Kraft und/oder Zeit nach einem anstrengenden Arbeitstag,
die Eltern haben selbst keine Werte vermittelt bekommen - sind
überfordert damit, Werte zu vermitteln, die sie gar nicht kennen,
oder sie wollen der beste Freund ihrer Kinder sein.

So bleibt das "Erziehen der nächsten Generationen" an uns Fachkräften.
Soweit sogut!

Ohne die Rahmenbedingungen, die uns das Erziehen und Bilden ermöglichen
sehen wir uns nicht in der Lage, diese essentiellen Aufgaben gut zu
schaffen. Erziehen braucht Beziehung und beides braucht Zeit - Zeit
füreinander -Zeit miteinander.
Auch Bilden gelingt nicht im Vorbeigehen - es braucht Zeit!
Beides wäre mit einem abgesenkten Personalschlüssel und erhöhter
Kinderzahl nicht mehr gewährleistet!

Nur Kinder, die sich physisch und psychisch gesund entwickeln, können
zu Persönlichkeiten heranwachsen, die sich den Herausforderungen des
Lebens stellen werden und Lösungen für die Zukunft entwickeln.
Dann wird auch in Zukunft ein friedliches und sicheres Leben im "Ländle"
möglich sein.

Es braucht gesunde Persönlichkeiten mit Respekt, Achtung und Toleranz
und einer großen Portion Mut - in sich selbst und in das Leben - damit
unsere Gesellschaft in der Lage ist, die Zukunft gut zu gestalten.
Die Grundlagen hierfür werden in der Kindheit gelegt, auch die
Grundlagen für ein demokratisches Denken und Handeln.
Deshalb wird in jeder Kita Partizipation gelebt und ein
Beschwerdemanagement gehört zu unserem pädagogischen Alltag.

Aber alle diese Grundgedanken können nur vermittelt und gelebt werden,
wenn genügend Fachkräfte Zeit für einzelne Kinder und die Gruppenarbeit
haben.
Das ist bei einer Gruppengröße von 30 Kindern und einer Fachkraft nicht
zu realisieren.

Ein weiterer Punkt, der nur von Fachkräften geleistet werden kann - aber
in diesem Forum noch kaum zur Sprache gekommen ist - ist die Erziehungs-
und Bildungspartnerschaft mit den Eltern.

Sie ist im Orientierungsplan festgeschrieben und wurde verpflichtend für
alle Kindertagesstätten eingeführt.

Wer, außer der Fachkraft, soll aber diese Partnerschaft aktiv leben?
Elterngespräche führen, Beraten, Begleiten?
Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Punkt zu einer guten Entwicklung
der Kinder.
Viele Eltern sind mit den Entwicklungsdefiziten ihrer Kinder
überfordert, brauchen Hilfe und Lösungsmöglichkeiten.
Hier sind Fachkräfte mit ihrem Wissen dringend notwendig und ihr
Einsatz gefragt.

"Kinder sind unser höchstes Gut - Kinder sind unsere Zukunft"

Es drängt sich der Eindruck in den Vordergrund, dass das den
Verantwortlichen nicht bewusst ist - oder aber nicht von Interesse.

Dagegen erheben wir unsere Stimme und werden laut für die Schwächsten
der Gesellschaft - unsere Kinder!




36. Kommentar von :ohne Name 56122

Kinderbetreuungsgesetz

Grundsätzlich stehe ich Lösungssuchen sehr positiv und offen gegenüber. Wir brauchen neue Ideen und Ansätze um die Kinderbetreuung auszubauen. Aber mehr Kinder und weniger Fachkräfte in einer Gruppe, stellt für mich KEINE Lösung dar. Im Gegenteil, wer will heute noch als Erzieher arbeiten, wenn die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden.

Grundsätzlich stehe ich Lösungssuchen sehr positiv und offen gegenüber. Wir brauchen neue Ideen und Ansätze um die Kinderbetreuung auszubauen.

Aber mehr Kinder und weniger Fachkräfte in einer Gruppe, stellt für mich KEINE Lösung dar. Im Gegenteil, wer will heute noch als Erzieher arbeiten, wenn die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden.

Es geht heute schon mehrheitlich (durch Personalmangel, offen Stellen, kranke Kolleg/innen) nicht um pädagogisch gute Arbeit, sondern um lediglich eine Betreuung. Dies wird sich mit dem neuen Kinderbetreuungsgesetzt nicht verbessern sondern zunehmen. Was allerdings die Erzieher, die diesen Beruf mit ganzem Herzen ausfüllen wollen, dazu bringen wird, dann zu kündigen.

Dass eine Lösung gefunden werden muss, ist klar. Aber die Richtung der obigen Lösung ist die Falsche.

35. Kommentar von :ohne Name 56113

Erprobungspharagraph

Sehr geehrte Verantwortliche! Die Arbeitsbedingungen waren vor Corona bereits grenzlagig und das Thema Fachkräftemangel wurde durch die Arbeitsbedingungen verschärft; jede/r 3. bekam burn out... In der Altenpflege hat man schon länger EINE Fachkraft, die schichtleitung macht, im Zickzack springt und als Dank auch noch die Verantwortung

Sehr geehrte Verantwortliche!

Die Arbeitsbedingungen waren vor Corona bereits grenzlagig und das Thema Fachkräftemangel wurde durch die Arbeitsbedingungen verschärft; jede/r 3. bekam burn out...

In der Altenpflege hat man schon länger EINE Fachkraft, die schichtleitung macht, im Zickzack springt und als Dank auch noch die Verantwortung übernehmen muss für Fehler Ungelernter. Und genau das ist der Grund, weswegen da keiner mehr bereit ist, zu arbeiten.

In den KiTas u. ä. jetzt einen ähnlichen Weg einschlagen? Es springen viele päd. Fachkräfte ab, weil die Arbeitsbedingungen nicht mehr tragbar sind und Sie machen sie noch untragbarer.

Ich sehe das Problem des Personalmangels durchaus, aber wnen Weg A nicht weiterführt, sollte man nicht wieder Weg A nehmen.

In der Pflege gab es die einjährige Helferausbildung, als Grundlage. Und wer wollte, konnte weiterlernen.
Und was wurde gefordert? Bachelor- und Masterstudienabschlüsse, Kindheitspädagogik usw.
Aber viell. sollte man kleine, realisische Brötchen backen...

Und Hilfskräfte: gerne, als Ergänzung, nicht aber als Ersatz!

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