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Zufallsauswahl

Erklärvideo

Bürgerbeteiligung durch Zufallsauswahl

In der Diskussion um demokratische Teilhabe hat ein Thema in den letzten Jahren an Gewicht gewonnen: Die Frage nach sozialer Ungleichheit in der Demokratie. Egal ob bei Wahlen, bei Abstimmungen oder bei anderen Formen der Beteiligung, die Bereitschaft zur Teilnahme sinkt. Sie sinkt vor allem bei bildungsfernen Milieus. Aber auch Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und junge Menschen beteiligen sich grundsätzlich weniger. Wie lässt sich dies ausgleichen?

Rekrutierung per Los

Besonders bei Themen, die eine große Zahl von Menschen betreffen, kann es sinnvoll sein, Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Losverfahren zu ermitteln. Häufig werden diese Teilnehmenden als „Zufallsbürger“ bezeichnet. Alle Einwohnerinnen und jeder Einwohner sind bei ihrer Kommune gemeldet, die gleichzeitig Kenntnis hat über Staatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht. Die Einwohnermeldeämter (oder ihre Dienstleister) sind in der Lage, aus der Gesamtheit aller oder eines Teils der Einwohnerschaft (aus einem Ort, einer bestimmten Alterskohorte,…) per Zufall eine gewisse Anzahl von Menschen zu ziehen. Diese werden von ihrer Gemeinde per Brief angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. In der Regel melden sich drei bis fünf Prozent mit einer Zusage zurück. Je bekannter das Thema, desto höher ist die  Rückmeldequote. Sehr umstrittene oder sehr abstrakte Themen reduzieren die Quote der positiven Rückmeldungen. Denkbar ist auch der Weg über die Zufallsauswahl aus dem Telefonbuch. Wissenschaftliche Institute wählen dann an Hand von Telefoninterviews die Teilnehmenden aus. Dabei wird zum Beispiel gezielt nach dem jüngsten Mitglied des Haushalts gefragt, wenn schon sehr viele ältere Teilnehmenden sich zurück gemeldet haben.

Einfache Auswahl: alle mitnehmen

In der Regel melden sich nur wenige der Angeschriebenen positiv zurück und wollen teilnehmen. Es spricht nichts dagegen, mit all diesen Personen zu arbeiten. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Gruppen, die sich in der Regel weniger beteiligen, hierbei unterrepräsentiert bleiben. Bisherige Erfahrungswerte aus der Arbeit des Staatsministeriums zeigen, dass zumindest der Frauenanteil wesentlich erhöht werden kann. Stillere und politik-ferner Gruppen sind ebenfalls besser erreichbar. Selten melden sich so viele Menschen zurück, dass dann nochmals gelost werden müsste.

Geloste Teilnehmende und Interessensvertreter

Die per Los ausgewählten Teilnehmenden können in Zukunftskonferenzen, Bürgerräten oder in Großgruppenmoderationen eingebunden werden. Die entscheidende Frage ist, wie sie sich zu den institutionellen oder verfassten Akteuren wie den Gemeinderäten, Verbänden und Bürgerinitiativen verhalten. Im Wesentlichen gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen: Entweder die Teilnehmenden des Beteiligungsprozesses bestehen ausschließlich aus den ausgelosten Personen und die verfassten Akteure werden als Expertinnen und Experten einbezogen. Oder die gelosten Teilnehmenden werden mit den anderen Akteuren gemischt. Wird bei einem Beteiligungsprozess besonderer Wert auf eine neutrale Teilnehmerschaft gelegt, sollte die erste Variante gewählt werden.

Welche Funktion erfüllen die gelosten Teilnehmenden?

Während verfasste Akteure die Zufallsbürger meist als „unwissend“, nicht legitimiert und störend wahrnehmen, gelten sie in der Öffentlichkeit als „unvoreingenommen“. Man könnte ja selbst auch ausgewählt worden sein. Die Ausgelosten haben vielleicht eine Meinung zu dem behandelten Sachthema, aber sie haben sich nicht öffentlich positioniert. Studien zeigen, dass diese Teilnehmenden während des Beteiligungsverfahrens eine neutrale Position einnehmen und ihre anfängliche Haltung überdenken. Es fällt ihnen leichter, ihre Position zu reflektieren und sogar zu verändern.

Zufallsbürger sind Alltagsexperten. Sie kennen die lokalen Begebenheiten. Sie kommen dem gedachten „Normalbürger“ am nächsten. Die ausgelosten Teilnehmenden hinterfragen etablierte Positionen. Sie vertreten „die Einwohnerinnen und Einwohner“ und nicht Verbände, Parteien oder Initiativen.

Beispiele für Beteiligungsverfahren mit Zufallsbürgern


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Gisela Erler

Staatsrätin für Zivilgesellschaft

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